Mittwoch, 6. Mai 2026

Kid Blue (Kid Blue)


Regie: James Frawley

Bandit oder Bürger....

Kid Blue" von James Frawley entstand 1973 und ist ein sehr ungewöhnlicher Western. Sein bekanntester Kinofilm ist "Muppet Movie" aus dem Jahr 1979 - aber er war vor allem fürs Fernsehen tätig und drehte Serien wie "The Monkees" (von 1966 bis 1968), "Columbo",  "Law and Order"oder "Chicago Hope". Für "Kid Blue" standen ihm sehr Darsteller wie Warren Oates, Ralph Waite, Ben Johnson, Peter Boyle und nicht zuletzt Dennis Hopper in der Titelrolle zur Verfügung. Man kann "Kid Blue" durchaus auch als einen Antiwestern ansehen, denn die Hauptfigur des Films ist eine Art Verlierertyp, der sich vor noch nicht allzu langer Zeit als Eisenbahnräuber durchschlug und die Gegend unsicher machte. Aber die Zeiten haben sich geändert und das weite Land verändert sich. So gibt es auch in den kleineren Städten bereits Fabriken, durch die man Geld zum Lebensunterhalt verdienen kann. Eine Änderung ist also angesagt.  Der in Südtexas als „Kid Blue“ berüchtigte Ganove Bickford Warner (Dennis Hopper) ist die Zeit des Herumvagabundierens leid und begibt sich nach dem Städtchen Dime Box, um dort, zum allgemeinen Amüsement seiner alten Gang, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Der erste Job beim örtlichen Barbier (M. Emmet Walsh) geht gründlich in die Hose, dernn er wird bei schlechter Bezahlung auch noch schlecht behandelt  und so fängt Bickford in der Keramikfabrik von Mr. Hendricks (Clifton James) an. Dort stellt man Aschenbecher für die größeren Städte im Osten des Landes her. Mit dem Pärchen Reese (Warren Oates) und Molly Ford (Lee Purcell) gewinnt Bickford zwei gute Freunde, doch er landet bald mit Molly im Bett. Überhaupt vertragen das konventionelle Spießerdasein und Bickfords Wesen sich überhaupt nicht miteinander. Ausserdem mag Sheriff Simpson (Ben Johnson) den jungen Mann mit langen Haaren überhaupt nicht. Als mit Janet Conforto (Janice Rule) eine alte Bekannte aus der Zeit des Banditentums im spießigen Städtchen auftaucht, wird Bickford Warner wieder mit seiner Zeit als "Kid Blue" konfrontiert. Und bald schon hat er einen Plan im Kopf, wie er mit drei Indianern an die Werkskasse von Mr. Hendricks kommt...



Bei Frawley geht das Ende - man kann es kaum glauben - für den Verlierer in letzter Sekunde doch noch gut aus. Zumindest entkommt er mit dem Geld - aber nicht durch das Fluggerät, dass für die moderne Zeit steht, sondern es gelingt mit den Ureinwohnern mit Kriegsbemalung und zu Pferd - also zurück zur guten alten Zeit. "kid Blue" ist ein Produkt der Ära des New Hollywood und wie zuvor Dustin Hoffman in Arthur Penns "Little Big Man" tritt auch Dennis Hopper als eine Art schelmischer Simplicissimus an, sich den Gepflogenheiten einer merkwürdig pevertierten, neuen Ära zu stellen,er scheitert jedoch an deren verlogener Doppelmoral.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Dreckiger kleiner Billy (Dirty little Billy)






















Regie: Stan Dragoti

Junger Revolverheld...

Der amerikanische Filmregisseur Stan Dragoti (1932 bis 2018) hat nur sehr wenige Filme gedreht. Sein größter Kinoerfolg war sicherlich die Vampirparodie "Liebe auf den ersten Biß" mit George Hamiltion als Blutsauger Dracula. Auch die 1983 realisierte Komödie "Mr. Mom" mit Michael Keaton war sehr erfolgreich. Sein Debütfilm "Dreckiger kleiner Billy" ist ein ziemlich harter, aber wie der Name schon suggeriert auch ein dreckiger Western. Er entstand 1972, also kurz nachdem Robert Altman mit "McCabe & Mrs. Miller" im Kino erfolgreich lief und ebenso ein sehr schmutziges Bild vom glorreichen wilden Westen zeichnete. Tatsächlich wirkte dieses düstere Westernbild für den Zuschauer in den 70er Jahren viel realistischer. Es entstanden in dieser Zeit filmische Verwandte wie "Doc" (Frank Perry), "Pat Garrett und Billy the Kid" (Sam Peckinpah), "High Plains Drifter" (Clint Eastwood), "In schlechter Gesellschaft" (Robert Benton) und "Der weite Ritt" (Peter Fonda).  Dass die USA aus Dreck und Gewalt geboren wurden, haben Western zwar nie verschwiegen. Aber in diesen frühen 70er Jahren hatten solche Filme Hochkonjunktur.  "Dirty Little Billy“ wurde von Stan Dragoti auch geschrieben und man fand in dem damals 33jährigen Michael J. Pollard (trotz unterschiedlichem Alter zu seiner Filmfigur) eine perfekte Besetzung für den 17jährigen Billy Bonney, der später zum berüchtigten "Billy the Kid" aufstieg. Der Film, der in Coffeyville, Kansas, spielt, ist natürlich auch vom düsteren Stil der Spaghetti-Western beeinflusst und bietet einen einzigartigen Einblick in die Anfänge des berüchtigten Outlaws. Er ist bemerkenswert für Nick Noltes Filmdebüt, präsentiert auch Gary Busey in seinen Anfängen sowie einen kurzen Auftritt des Experimentalfilmers und Künstlers William Ault.BVorhand auf für dieses harte und brutale Porträt eines psychopathischen, aber dennoch jungen Mannes – des berüchtigten Billy the Kid in seinen schmutzigen Anfängen. Das 17 jährige Muttersöhnchen Billy landet mit seiner Ma (Dran Hamilton) und ihrem neuen Gatten (Willard Sage) in einer elendig verrotteten Gegend im mittleren Westen. Sein Stiefvater läßt sich eine vergammelte Farm andrehen und nötigt den lustlosen Teenager zur Landarbeit. Obwohl Billy sich die Hände blutig ackert, macht er seinem verhaßten Stiefvater nichts recht. Er beschließt in seine Heimat New York zurückzukehren. Kaum auf den nächsten Zug aufgesprungen, ändert der Knabe seine Meinung und bleibt in der nahen Ortschaft Coffeyville, einem Schlammloch, dem Tombstone aus Corbuccis Django nicht unähnlich. In einer kleinen vermieften Kneipe inkl. Puff lernt Billy den Möchtegern Gunfighter/Zuhälter Goldie (Richard Evans) kennen, den er von nun an geradezu anhimmelt. In einem Pokerspiel, in welchem Goldie gegen drei Dreckspätze und deren Gammelbraut am Verlieren ist, kommt es zu einer ersten Gewalteruption, in welcher schon zu bestaunen ist, das Goldie ein Feigling ist. Nur seine Freundin Berle (Lee Purcell), die mit beherztem Einsatz einschreitet, in dem sie zum Bowiemesser greift und mit einer anderen Frau einen "Frau schlitzt Frau" Tanz wagt, verdanken die beiden Looser Billy und Goldie ihr Leben. Nachdem Billy von Goldie ein wenig den Umgang mit dem Revolver gelernt hat, erteilt ihm Berle noch praktischen Nachhilfe Unterricht in Sexualkunde. Das glückliche Alkoholikerdasein der drei Nichtsnutze wird jäh von einem Ultimatum des Bürgermeister gestört. Goldie wird sehr deutlich nahegelegt, das er in der Stadt nicht mehr geduldet wird, aber bei freiwilliger Abreise einen Mustang so wie freies Geleit bekäme. Der Stadtobere ist ein Lügner, Goldie wird vom Pferd geschossen und jammert um sein Leben. Wieder ist es Berle die zur Waffe greift, den schießwütigen Pöbel ablenkt, selbst von Schrot durchlöchert wird, aber selbstlos den beiden Knallköpfen Goldie und Billy die Flucht ermöglicht. In den Bergen werden die Zwei von mehreren Outlaws überfallen. Kurz bevor der wieder einmal eine erbärmliche Figur abgebende Goldie das Zeitliche segnet, wächst Billy über sich hinaus und tötet in einer blutigen Schießerei die Outlaws. Goldie lobt Billy, die Freunde plündern die Habseligkeiten und Waffen der Toten und reiten neuen Erlebnissen entgegen..



Der Film ist eine zynische Abrechnung mit betont viel Schmutz, Schlamm und Elend der Umgebung mit vielen dunklen Innenaufnahmen. Der Film zeichnete sich durch Altman-artige naturalistische Dialoge aus. Dies ist kein typischer Hollywood-Western. Er ähnelt eher einer Dokumentation über die Entstehung eines Soziopathen, mit Michael J. Pollard in der Rolle des 17-jährigen, heimatlosen Billy Bonney in den Tagen vor seiner Verwandlung zum berüchtigten Billy the Kid … die perfekte Rolle für Pollard. Der Schauspieler wurde 1967 durch „Bonnie und Clyde“ berühmt, für diesen Film erhielt er auch eine Oscarnominierung. 


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.