Montag, 1. Juni 2026

Vier Vögel am Galgen


Regie: Richard Fleischer

Ausbildung zum Banditen...
 
Richard Fleischers 1974 entstandener Western "The Spikes Gang" lief in Deutschland unter dem Filmtitel "Vier Vögel am Galgen" und damit sind ein grimmiger Schurke und drei Youngsters gemeint, die am Anfang des Films dem Banditen das Leben retten. Der Mann ist auf der Flucht und schwer verletzt als sie ihn im Feld finden. Sie pflegen ihn und verstecken den Mann in der Scheune auf der Farm von Abel Young (Marc Smith), dem Vater von Wilson (Gary Grimes). Seine Freunde Tod Hayhew (Charles Martin Smith) und Les Richter (Ron Howard) sind unschuldige Jungs, die bereits von klein auf nur gearbeitet haben. Doch die drei Halbstarken sind in einem Alter, in dem sie das Abenteuer suchen.
Obwohl der verletzte Mann (Lee Marvin) ihnen gesteht, dass er der gesuchte Bankräuber Harry Spikes ist, verraten sie ihn nicht an den Sheriff, der mit einer Bürgerwehr auf der Suche ist und auch an Youngs Farm vorbeikommt.
Als Spikes fit genug ist, verlässt er seinen Unterschlupf und bekommt von Wilson sogar dessen Pferd geschenkt. Dies wird vom Vater entdeckt, der seinen Sohn daraufhin für seine Sünde züchtigt.
Nun hat Wilson genug und er entschließt sich mitten in der Nacht fortzureiten, um das Leben kennenzulernen. Dabei verabschiedet er sich von seinen zwei besten Freunden, die ihm aber nachfolgen.
Doch die Freiheit ohne Geld ist kein Zuckerschlecken und bald bekommen die Jungs Hunger. Aber sie bekommen keine Arbeit auf anderen Farmen, um etwas zu verdienen. Im Gegenteil: Man jagt sie als Herumtreiber fort. Als sie in einer Stadt ankommen, werden sie vom Sheriff sofort angewiesen innert von 5 Minuten zu verschwinden. Dies erzeugt so viel Wut, dass die bislang guten und rechtschaffenen Jungs ganz spontan in eine Bank stürmen und Geld fordern. Natürlich geht der erste Überfall total in die Hose. Tod erschießt sogar einen Mann, wobei dies mehr ein tragischer Unfall darstellt. Doch ab jetzt sind sie Outlaws, die man per Steckbrief sucht. In Mexiko tauchen sie unter und dort kommt es auch zu einem Wiedersehen mit dem grimmigen Spike, der die drei jungen Männer unter seine Fittiche nimmt und sie zu Verbrechern ausbildet...

Natürlich lernen die drei Jungs sehr schnell das harte Geschäft als Bandit kennen. Man ist ständig auf der Flucht. Das Mißtrauen gegenüber Anderen ist allseits präsent und man darf nie Erbarmen mit seinem Gegner haben. Auch verletzte Kollegen muss man liegen lassen, denn sie behindern die Flucht. Dabei kann man Richard Fleischers Story mit "Dumm gelaufen" umschreiben, denn mehr oder weniger rein zufällig geraten die drei Jungen an einen charismatischen Schurken, der sie auf die schiefe Bahn lockt. Mit Gary Grimes, Ron Howard und Charles Martin Smith sind drei überzeugende Jungschauspieler engagiert worden, die immer mehr in den Abgrund schlittern. Am Ende steht natürlich der Tod, der sich ab dem Zeitpunkt des ersten Opfers schon als Mitreisender dazugesellt hat. Er schlägt dann auch gnadenlos zu und es ist auch nicht mehr möglich dieses Fiasko zu beenden. Lee Marvin ist eigentlich immer ein guter Schurke. Ein Gangster, der den Jungs zwar Unterricht im Erschießen gibt, aber dennoch keinen Zweifel offen lässt, dass der Zusammenschluß als Gang ganz viele fiese Tücken hat.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Greenhorn


Regie: Dick Richards

Culpeppers Viehherde...

Der US-Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor Dick Richards erhielt als Produzent für Sidney Pollacks Film "Tootsie" im Jahr 1983 eine Oscarnominierung. Seine bekanntesten Regiearbeiten sind "Fahr zur Hölle, Liebling", "Marschier oder stirb" und "Heat" - sein Regiedebüt gab er mit dem sehr stimmungsvollen Western "The Culpepper Cattle Co." im Jahr 1972, der in Deutschland unter dem Titel "Greenhorn" eher bekannt sein dürfte. "The Culpepper Cattle Co." wurde für seine Detailtreue und die authentische Atmosphäre der damaligen Zeit gelobt. Ein subtiles Beispiel dafür ist, als Frank Culpepper (Billy Green Bush) sich an ein Wasserfass lehnt und sein Arm oberhalb des Handgelenks unbedeckt ist – er ist weiß und ungebräunt. Man zog sich in der Öffentlichkeit nur selten aus (es gibt eine komische Szene, in der der Koch sich schämt, mit freiem Oberkörper gesehen zu werden), und die Vorstellung einer gleichmäßigen Bräune wäre absurd, wenn nicht gar unvorstellbar gewesen, da nur Arbeiter gebräunt waren. Cowboys waren am ganzen Körper kreidebleich.Die Titelsequenz kombiniert authentische historische Fotografien mit sepiafarbenen, gestellten Bildern der Darsteller.Die Geschichte ist beinahe brutal, doch muss dies im Kontext der Vergehen Frank Culpeppers und seiner Begleiter gesehen werden. Dazu gehörten Pferde- und Viehdiebstahl, die üblicherweise mit dem Galgen bestraft wurden. Da es keine praktikable Möglichkeit gab, die Diebe vor Gericht zu bringen, war Culpepper berechtigt, sofortige "Gerechtigkeit“ zu üben, so brutal sie auch sein mochte. Culpeppers letzter Akt der Gerechtigkeit besteht darin, den bösen Agrarkapitalisten Thornton Pierce (John McLiam), den archetypischen Schurken unzähliger Western, und seine Bande auszulöschen.Die Datierung der Geschichte auf das Jahr 1866 ist plausibel. In diesem Jahr unternahmen Charles Goodnight und Oliver Loving ihren ersten langen Viehtrieb.Ben Mockridge (Gary Grimes) ist ein junger Mann, stolz auf seine 4-Dollar-Pistole – die er stolz einem Freund (Charles Martin Smith) präsentiert, gegen den er kürzlich ein Wagenrennen veranstaltet hat – und begeistert vom Cowboyleben. Er fragt Frank Culpepper (Billy "Green" Bush), ob er sich dessen Viehtrieb nach Fort Lewis, Colorado, anschließen darf. Culpepper,ein geläuterter Revolverheld, willigt widerwillig ein und schickt Ben zum Koch (Raymond Guth), damit der Grünschnabel dessen „kleine Mary“ wird. Ben verabschiedet sich von seiner Mutter, die ihm sagt, er solle ein braver Junge sein. Ben merkt schnell, dass die Erwachsenen wenig Interesse an Jungen haben. Trotzdem gibt Culpepper Ben Aufgaben, die der Neuling schlecht bewältigt und ihm dadurch ernsthafte Probleme bereitet.Nachdem Viehdiebe die Herde in Panik versetzt haben, verfolgt Culpepper sie bis in eine Schlucht. Als der Anführer der Viehdiebe 50 Cent pro Tier für das Zusammentreiben fordert, töten Culpepper und seine Männer die Viehdiebe. Sie zögern nicht, unbewaffnete Männer niederzuschießen oder jeden, der sich noch bewegt, wiederholt zu beschießen. Vier ihrer Männer verlieren sie.Culpepper schickt Ben zu einer Cantina, die einen Tagesritt entfernt liegt, um Russ Caldwell (Geoffrey Lewis) zu finden. Bevor er sie erreicht, wird Ben von Trappern überfallen, die ihm Pferd und Gewehr abnehmen. Nachdem Ben Caldwell gefunden hat, beschließen er und drei seiner Freunde (Luke Askew, Bo Hopkins, Wayne Sutherlin), sich dem Viehtrieb anzuschließen. Als sie den Trappern begegnen, töten sie diese sofort und nehmen ihre Habseligkeiten an sich. Während Ben Nachtwache hält, lenkt ihn ein einäugiger Mann mit Gerede ab, und Ben schießt nicht auf ihn. Ein weiterer Dieb überwältigt Ben, und die Pferde werden gestohlen. Culpepper ist wütend über Bens Dummheit.Der Pferdediebstahl bringt Culpepper endgültig zur Weißglut, und er beschließt, Ben in eine Postkutsche zu setzen. Als Culpepper in eine Stadt kommt, in der Hoffnung, Pferde zu kaufen, halten sie an einem Saloon, wo Ben einen Gast als den einäugigen Pferdedieb erkennt. Es kommt zu einer weiteren Schießerei, in der Ben sich „rehabilitiert“, indem er den Barkeeper erschießt, der nach seiner Schrotflinte greift. Culpeppers Widersacher sterben, einer der Überlebenden weist Culpepper den Weg zu den Pferden.Ben hantiert ohne Erlaubnis mit Caldwells Waffe, woraufhin der reizbare Caldwell Ben zu Boden stößt. Als ein Rancharbeiter (Matt Clark) Caldwell als Mistkerl beschimpft, fordert dieser ein Duell, um seine „Ehre“ wiederherzustellen. Der Arbeiter hält es für zu wenig, sich mit ihm anzulegen, und verlässt den Viehtrieb. "Du hast mir einen guten Mann gekostet, Junge“, schimpft Culpepper und warnt ihn, sich klein zu machen.In einem grasbewachsenen, feuchten Gebiet lässt Culpepper die Rinder grasen und geht in die Stadt, um den Landbesitzer zu suchen und ihn zu bezahlen. Ben folgt ihnen, um Essen für den Koch zu kaufen, gesellt sich aber in eine Bar zu ihnen, wo sie ihn zu einem Treffen mit einer Prostituierten (Lu Shoemaker) im Hinterzimmer überreden. Sie wippen jedoch nur bekleidet auf dem Bett und lassen die Federn quietschen. Der Landbesitzer Thornton Pierce (John McLiam) wirft Culpepper vor, er hätte vorher fragen sollen, bevor er die Rinder weiden ließ, und verlangt 200 Dollar als Anzahlung für das unbefugte Betreten seines Grundstücks. Diesmal sind Culpepper und seine Begleiter unterlegen und werden wütend gezwungen, ihre Pistolen abzugeben....


Der von Twentieth Century Fox produzierte Film war auch Jerry Bruckheimers erster Film als Coproduzent. Der Slogan lautet damals : „Wie viele Männer muss man töten, bevor man der große amerikanische Cowboy wird?“ und „Der Junge aus dem Sommer '42 wird auf dem Viehtrieb von 1866 zum Mann“, eine Anspielung auf einen ähnlichen Coming-of-Age-Film mit Gary Grimes in der Hauptrolle, der in den folgenden Jahren auch in den Western "Geier kennen kein Erbarmen" mit John Wayne und "Vier Vögel am Galgen" mit Lee Marvin mitspielte. Wie viele andere Spätwestern aus dieser Zeit (Der Verwegene, Der weite Ritt, Dreckiger kleiner Billy, In schlechter Gesellschaft, Monte Walsh, Missouri, ist ein typischer Hyperrealismus in der Inszenierung Bestandteil. 



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Kid Blue (Kid Blue)


Regie: James Frawley

Bandit oder Bürger....

Kid Blue" von James Frawley entstand 1973 und ist ein sehr ungewöhnlicher Western. Sein bekanntester Kinofilm ist "Muppet Movie" aus dem Jahr 1979 - aber er war vor allem fürs Fernsehen tätig und drehte Serien wie "The Monkees" (von 1966 bis 1968), "Columbo",  "Law and Order"oder "Chicago Hope". Für "Kid Blue" standen ihm sehr Darsteller wie Warren Oates, Ralph Waite, Ben Johnson, Peter Boyle und nicht zuletzt Dennis Hopper in der Titelrolle zur Verfügung. Man kann "Kid Blue" durchaus auch als einen Antiwestern ansehen, denn die Hauptfigur des Films ist eine Art Verlierertyp, der sich vor noch nicht allzu langer Zeit als Eisenbahnräuber durchschlug und die Gegend unsicher machte. Aber die Zeiten haben sich geändert und das weite Land verändert sich. So gibt es auch in den kleineren Städten bereits Fabriken, durch die man Geld zum Lebensunterhalt verdienen kann. Eine Änderung ist also angesagt.  Der in Südtexas als „Kid Blue“ berüchtigte Ganove Bickford Warner (Dennis Hopper) ist die Zeit des Herumvagabundierens leid und begibt sich nach dem Städtchen Dime Box, um dort, zum allgemeinen Amüsement seiner alten Gang, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Der erste Job beim örtlichen Barbier (M. Emmet Walsh) geht gründlich in die Hose, dernn er wird bei schlechter Bezahlung auch noch schlecht behandelt  und so fängt Bickford in der Keramikfabrik von Mr. Hendricks (Clifton James) an. Dort stellt man Aschenbecher für die größeren Städte im Osten des Landes her. Mit dem Pärchen Reese (Warren Oates) und Molly Ford (Lee Purcell) gewinnt Bickford zwei gute Freunde, doch er landet bald mit Molly im Bett. Überhaupt vertragen das konventionelle Spießerdasein und Bickfords Wesen sich überhaupt nicht miteinander. Ausserdem mag Sheriff Simpson (Ben Johnson) den jungen Mann mit langen Haaren überhaupt nicht. Als mit Janet Conforto (Janice Rule) eine alte Bekannte aus der Zeit des Banditentums im spießigen Städtchen auftaucht, wird Bickford Warner wieder mit seiner Zeit als "Kid Blue" konfrontiert. Und bald schon hat er einen Plan im Kopf, wie er mit drei Indianern an die Werkskasse von Mr. Hendricks kommt...



Bei Frawley geht das Ende - man kann es kaum glauben - für den Verlierer in letzter Sekunde doch noch gut aus. Zumindest entkommt er mit dem Geld - aber nicht durch das Fluggerät, dass für die moderne Zeit steht, sondern es gelingt mit den Ureinwohnern mit Kriegsbemalung und zu Pferd - also zurück zur guten alten Zeit. "kid Blue" ist ein Produkt der Ära des New Hollywood und wie zuvor Dustin Hoffman in Arthur Penns "Little Big Man" tritt auch Dennis Hopper als eine Art schelmischer Simplicissimus an, sich den Gepflogenheiten einer merkwürdig pevertierten, neuen Ära zu stellen,er scheitert jedoch an deren verlogener Doppelmoral.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Dreckiger kleiner Billy (Dirty little Billy)






















Regie: Stan Dragoti

Junger Revolverheld...

Der amerikanische Filmregisseur Stan Dragoti (1932 bis 2018) hat nur sehr wenige Filme gedreht. Sein größter Kinoerfolg war sicherlich die Vampirparodie "Liebe auf den ersten Biß" mit George Hamiltion als Blutsauger Dracula. Auch die 1983 realisierte Komödie "Mr. Mom" mit Michael Keaton war sehr erfolgreich. Sein Debütfilm "Dreckiger kleiner Billy" ist ein ziemlich harter, aber wie der Name schon suggeriert auch ein dreckiger Western. Er entstand 1972, also kurz nachdem Robert Altman mit "McCabe & Mrs. Miller" im Kino erfolgreich lief und ebenso ein sehr schmutziges Bild vom glorreichen wilden Westen zeichnete. Tatsächlich wirkte dieses düstere Westernbild für den Zuschauer in den 70er Jahren viel realistischer. Es entstanden in dieser Zeit filmische Verwandte wie "Doc" (Frank Perry), "Pat Garrett und Billy the Kid" (Sam Peckinpah), "High Plains Drifter" (Clint Eastwood), "In schlechter Gesellschaft" (Robert Benton) und "Der weite Ritt" (Peter Fonda).  Dass die USA aus Dreck und Gewalt geboren wurden, haben Western zwar nie verschwiegen. Aber in diesen frühen 70er Jahren hatten solche Filme Hochkonjunktur.  "Dirty Little Billy“ wurde von Stan Dragoti auch geschrieben und man fand in dem damals 33jährigen Michael J. Pollard (trotz unterschiedlichem Alter zu seiner Filmfigur) eine perfekte Besetzung für den 17jährigen Billy Bonney, der später zum berüchtigten "Billy the Kid" aufstieg. Der Film, der in Coffeyville, Kansas, spielt, ist natürlich auch vom düsteren Stil der Spaghetti-Western beeinflusst und bietet einen einzigartigen Einblick in die Anfänge des berüchtigten Outlaws. Er ist bemerkenswert für Nick Noltes Filmdebüt, präsentiert auch Gary Busey in seinen Anfängen sowie einen kurzen Auftritt des Experimentalfilmers und Künstlers William Ault.BVorhand auf für dieses harte und brutale Porträt eines psychopathischen, aber dennoch jungen Mannes – des berüchtigten Billy the Kid in seinen schmutzigen Anfängen. Das 17 jährige Muttersöhnchen Billy landet mit seiner Ma (Dran Hamilton) und ihrem neuen Gatten (Willard Sage) in einer elendig verrotteten Gegend im mittleren Westen. Sein Stiefvater läßt sich eine vergammelte Farm andrehen und nötigt den lustlosen Teenager zur Landarbeit. Obwohl Billy sich die Hände blutig ackert, macht er seinem verhaßten Stiefvater nichts recht. Er beschließt in seine Heimat New York zurückzukehren. Kaum auf den nächsten Zug aufgesprungen, ändert der Knabe seine Meinung und bleibt in der nahen Ortschaft Coffeyville, einem Schlammloch, dem Tombstone aus Corbuccis Django nicht unähnlich. In einer kleinen vermieften Kneipe inkl. Puff lernt Billy den Möchtegern Gunfighter/Zuhälter Goldie (Richard Evans) kennen, den er von nun an geradezu anhimmelt. In einem Pokerspiel, in welchem Goldie gegen drei Dreckspätze und deren Gammelbraut am Verlieren ist, kommt es zu einer ersten Gewalteruption, in welcher schon zu bestaunen ist, das Goldie ein Feigling ist. Nur seine Freundin Berle (Lee Purcell), die mit beherztem Einsatz einschreitet, in dem sie zum Bowiemesser greift und mit einer anderen Frau einen "Frau schlitzt Frau" Tanz wagt, verdanken die beiden Looser Billy und Goldie ihr Leben. Nachdem Billy von Goldie ein wenig den Umgang mit dem Revolver gelernt hat, erteilt ihm Berle noch praktischen Nachhilfe Unterricht in Sexualkunde. Das glückliche Alkoholikerdasein der drei Nichtsnutze wird jäh von einem Ultimatum des Bürgermeister gestört. Goldie wird sehr deutlich nahegelegt, das er in der Stadt nicht mehr geduldet wird, aber bei freiwilliger Abreise einen Mustang so wie freies Geleit bekäme. Der Stadtobere ist ein Lügner, Goldie wird vom Pferd geschossen und jammert um sein Leben. Wieder ist es Berle die zur Waffe greift, den schießwütigen Pöbel ablenkt, selbst von Schrot durchlöchert wird, aber selbstlos den beiden Knallköpfen Goldie und Billy die Flucht ermöglicht. In den Bergen werden die Zwei von mehreren Outlaws überfallen. Kurz bevor der wieder einmal eine erbärmliche Figur abgebende Goldie das Zeitliche segnet, wächst Billy über sich hinaus und tötet in einer blutigen Schießerei die Outlaws. Goldie lobt Billy, die Freunde plündern die Habseligkeiten und Waffen der Toten und reiten neuen Erlebnissen entgegen..



Der Film ist eine zynische Abrechnung mit betont viel Schmutz, Schlamm und Elend der Umgebung mit vielen dunklen Innenaufnahmen. Der Film zeichnete sich durch Altman-artige naturalistische Dialoge aus. Dies ist kein typischer Hollywood-Western. Er ähnelt eher einer Dokumentation über die Entstehung eines Soziopathen, mit Michael J. Pollard in der Rolle des 17-jährigen, heimatlosen Billy Bonney in den Tagen vor seiner Verwandlung zum berüchtigten Billy the Kid … die perfekte Rolle für Pollard. Der Schauspieler wurde 1967 durch „Bonnie und Clyde“ berühmt, für diesen Film erhielt er auch eine Oscarnominierung. 


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 2. Juni 2025

Der große Schweiger


 

Regie: Robert Mulligan

Der Verfolger...

Der größte Triumph in Gregory Pecks langer Filmkarriere war sicherlich der Sieg bei der Oscarverleihung 1963, als er nach vier erfolglosen Nominierungen für die Rolle als Atticus Finch in "Wer die Nachtigall stört" ausgezeichnet wurde. Im Laufe seiner aktiven Laufbahn hat er auch einige Western gedreht, die zu Klassikern wurden: "Herrin der toten Stadt", "Duell in der Sonne", "Der Scharfschütze", "Bis zum letzten Atemzug", "Bravados", "Weites Land", "Abrechnung in Gun Hill" oder "Begrabt die Wölfe in der Schlucht".
Mit Robert Mulligan drehte er nicht nur seinen Oscarfilm, auch ein Western entstand in Gemeinschaftsarbeit": "Der große Schweiger" wurde von Alan J. Pakula produziert, aber er blieb bis heute weitestgehend unbekannt.
Soldaten der US-Armee treiben eine Gruppe Indianer zusammen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Überraschenderweise finden sie unter ihnen eine weiße Frau (Eva Marie Saint) und ihren halbindischen Sohn (Noland Clay). Sam Varner (Gregory Peck) ist ein Fährtenleser, der zeitgleich den Dienst bei der Armee quittiert und auf seiner Ranch in New Mexico eine neue Aufgabe hat. Er willigt aber ein, Sarah Carver (so heißt die Frau, die jahrelang bei den Indianern gelebt hat)  und ihren Sohn zu begleiten, nachdem sie ihn angefleht hat. Sie möchte sofort aufbrechen, anstatt fünf Tage auf eine Militäreskorte zu warten. Sam bringt sie zu einer Postkutschenhaltestelle namens Hennessy. Der Junge rennt nachts weg. Varner und Sarah machen sich auf die Suche nach ihm, als ein Staubsturm beginnt. Sie finden den Jungen und verkriechen sich dann um den Sturm abzuwarten. Als sie zur Station zurückkehren, sind alle dort tot, getötet vom indischen Kriegervater des Jungen, Salvaje (gespielt von Nathaniel Narcisco). Selbst unter seinem eigenen Volk ist Salvaje sehr gefürchtet – und das aus gutem Grund: Er gilt als stiller und rücksichtsloser Killer. Salvaje bedeutet auf Apache "Geist“ oder in ihrer eigenen Sprache "Er, der nicht hier ist“, was einen toten Mann bedeutet. Nach reiflicher Überlegung beschließt Sam, Sarah und ihren Sohn einzuladen, ihn auf seine Ranch zu begleiten, wo sie für ihn und einen alten Mann, Ned (Russell Thorson), kochen kann, der sich um die Ranch kümmert. Sam verkauft sein Pferd und sie fahren mit dem Zug nach New Mexico. Sie versuchen zusammenzuleben. Sarah und ihr Sohn sind trotz Sams Bemühungen nicht sehr gesprächig. Sein Freund Nick (Robert Forster), ein Mischlings-Scout, mit dem er seit zehn Jahren befreundet ist, taucht auf. Nick erzählt ihm, dass Salvaje alle in Silverton und sogar Sams altes Pferd getötet hat. Es ist offensichtlich, dass Salvaje zur Ranch kommt, um seinen Sohn zurückzuholen....



Der Film wurde mit ruhiger Hand inszeniert und hat einige sehr spannende Momente, die mit dem Soundtrack von Fred Karlin noch an Suspence gewinnen. Kameramann Charles Lang gehört ohnehin zu den ganz Großen in seinem Metier. Der interessanteste Aspekt ist die Hin- und Hergerissenheit des Jungen, der von Noland Clay gespielt wird. 


Bewertung:  8von 10 Punkten. 
 

Mittwoch, 7. Dezember 2022

Die Ballade von Buster Scruggs (The Ballad of Buster Scruggs)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joel and Ethan Coen

Es war einmal im Wilden Westen....

Bereits mit dem Remake von "True Grit" bewiesen die Brüder Joel und Ethan Coen eindrucksvoll, dass sie auch gute Western inszenieren können. Auch ihr oscarprämierter "No Country for old men" beinhaltet viele Elemente des Genres und darf zu Recht zu den besten Neowestern überhaupt gezählt werden. Zoe
Der 2016 gedrehte "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein Netflix Film und erzählt in 6 Episoden Geschichten aus dem Wilden Westen. Die Musik schrieb Carter Burwell und als Kameramann war der Franzose Bruno Debonnel tätig, der sich bereits über sechs Oscarnomierungen ("Fabelhafte Welt der Amelie", "Mathilde", "Inside Llewyn Davis", "Harry Potter und der Halbblutprinz", "Die dunkelste Stunde" und "Macbeth") freuen konnte und auch hier zur Höchstform aufläuft. Leider wurde er diesmal bei den Oscars übergangen - dennoch brachte es "Buster Scruggs" auf drei Nominierungen - für das beste Drehbuch, für die Kostüme und auch der Filmsong "When a cowboy trades his spurs for Wings" wurde berücksichtigt. Am Ende ging der Film jedoch leer aus.
Die einzelnen Episoden sind alle sehr unterschiedlich, aber ausnahmslos gut gelungen.
Der Film beginnt mit "The Ballad of Buster Scruggs" - Tim Blake Nelson spielt den singenden Revolverhelden, keiner ist so flink wie er mit dem Colt. Aber es kommt immer irgendwann einer daher, der noch schneller ist. Es folgt "Near Algodones" - die Geschichte über einen glücklosen Bankräuber (James Franco), der erhängt werden soll. Doch in der letzten Sekunde kann er dem Galgenstrick entkommen, da Indianer angreifen. Doch das ist noch nicht das Ende dieser tragischen Geschichte. "Meal Ticket" ist eine melancholische und skurrile Story über einen fahrenden Impressario (Liam Neeson), der mit seinem Theaterwagen den wilden Westen bereist und den neugierigen Zuschauern seine Attraktion, einen Mann ohne Arme und Beine (Harry Melling) Geschichten erzählen lässt. Doch dann hört er von einem Konkurrenten, der mit einem sehr klugen Huhn mehr Geld macht als er selbst. In der 4. Episode ist Tom Waits als Goldsucher zu sehen, der in einem verlassenen Tal nach Gold. Die Mühe lohnt sich irgendwann, doch ein mieser Bandit hat ihn schon beobachtet. In dem Moment, als er die Goldader freilegt, fällt ein Schuß.
Es folgt eine Geschichte über einen Siedlertreck nach Oregon. Unter ihnen sind die Geschwister Gilbert (Jeffrey Mayes) und Alice Longabaugh (Zoe Kazan) sowie Gilberts ständig bellender Hund. Unterwegs verstirbt Gilbert plötzlich und Alice ist überfordert, weil bisher immer der Bruder alles regelte. Zum Glück sind die Treckführer Mr. Arthur (Grainger Haines) und Mr. Knapp (Billy Heck) in dieser Situation eine große Hilfe. Der Episodenreigen wird mit dem makabren "The Mortal Reimains" beendet. Die Geschichte findet in einer Kutsche mit fnf Insassen statt. Ein Engländer (Jonio O´Neill), ein Ire (Brendan Gleeson), ein Französe (Saul Rubinek), ein Trapper (Chelcie Ross) und die vornehme Lady Betjemen (Tyne Daly). Die Fahrt erweist sich immer mehr als Reise ins Jenseits...


Die sechs Geschichten passen vorzüglich zueinander und jeder dieser Episoden hinterlässt irgendwie einen bleibenden Eindruck. Vor allem weil sie völlig ohne die üblichen Westernzutaten auskommen und einen ganz persönlichen Coen Touch ausstrahlen. Am besten hat mir "The Gal who got rattled" gefallen, diese Geschichte über den Oregan Trail. Wobei sicherlich jede dieser Sequenzen seine Liebhaber finden wird. "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein großartiges Westernkaleidoskop, dass sehr viel Spass macht.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Montag, 28. Februar 2022

The Revenant (The Revenant)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu

Die Legende von Hugh Glass...

Der mexikanische Filmregisseur Alejandro Gonzales Inaritu hat bisher 6 Kinofilme gemacht und alle seine Filme waren bisher sehr gut. Drei davon kann man sogar als echte Meisterwerke bezeichnen, nach "Amores Perros" und "Babel" gelang ihm nun mit dem Trapperfilm "The Revenant" ein drittes Filmjuwel. So richtig einordnen in seine bisherige Filmographie lässt sich diese epische Version von Sidney Pollacks "Jeremiah Johnson" zwar nicht, denn er betrat ganz neue Pfade. Dennoch blieb er der episch ausufernden Form treu und gestaltete seinen mystischen Rachewestern opulent und bildgewaltig wie Costners "Der mit dem Wolf tanzt". Ein echter Könner wie der Japaner Ryuiche Sakamoto war für die Musik verantwortlich und mit dem dreifachen Oscarpreisträger und Kameramann Emmanuel Lubetzi (Sleepy Hollow, Tree of Life, Gravity, Birdmann) konnte auch nichts in Sachen grandios gestalteter Kinobilder schiefgehen. Erzählt wird in freier Form die Lebensgeschichte des Trappers Hugh Glass, dessen Abenteuer vielfach überliefertn und von Legenden umrankt wird. Er soll einen Grizzlybärangriff in den Rocky Mountains überlebt haben und dieser Kampf ist einer der markantesten Szenen des Films. Die damaligen Erlebnisse wurden noch zu seinen Lebzeiten in unterschiedlichsten Varianten berichtet und veröffentlicht, nach seinem Tod wurde die Mythenbildung fortgesetzt, obwohl irgendwann kaum noch zuverlässige Quellen dafür existierten. Im Jahr 1954 schrieb der US-amerikanische Autor Frederick Manfred einen Roman über den Mann der Berge mit dem Namen "Lord Grizzly". Richard C. Sarafian drehte 1971 erstmalig einen Film über Glass, darin verkörperte Richard Harris "Ein Mann in der Wildnis". 2002 erschien von Michael Punke ein weiterer Roman "Der Totgeglaubte -Eine wahre Geschichte", der nun von Inarritu erfolgreich verfilmt wurde - insgesamt 12 Nominierungen für den Oscar konnte der Film auf sich vereinigen, am Ende war "The Revenant" in drei dieser Kategorien Sieger. Inarritu bekam nach "Birdman" seinen zweiten Oscar, Kameramann Lubezki gewann seinen dritten Academy Award und endlich klappte es auch für den Hauptdarsteller Leonardo di Caprio nach vier vergeblichen Anläufen als bester Schauspieler.
Der Film setzt auf starke Bilder, auch rohe ungeschönte Gewalt und auf viel Mythologie. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo di Caprio) trauert immer noch um seine indianische Frau, eine Pawnee (Grace Dove). Das einzige was ihm bliebt ist sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck). Die beiden sind Mitglieder einer Expedition der Rocky Mountain Fur Company, die in der Wildnis von North und South Dakota auf der Jagd sind und möglichst viele Felle erbeuten sollen. Urplötzlich wird die Gruppe von einer Gruppe Ree, die auf dem Kriegspfad sind, angegriffen. Der Kampf wird zum richtigen Massaker, viele Pelzjäger sterben. Unter schweren Verlusten treten die Männer ihre Flucht mit einem Boot an, doch die Indianer sind ihnen auf den Fersen, da der Häuptling Elk Dog (Duane Howard) seine von weißen Männern verschleppte Tochter Powaqa (Melaw Nakehk´o) sucht. Die Flüchtenden müssen sich zu Fuß durchschlagen. Auf einem Erkundungsgang gerät Glass zwischen eine Grizzlybärin und ihre Jungen. Er wird sofort angegriffen und durch den Kampf schwer verwundet. Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) hat aber mit dem Verletzten keine Chance, dass seine Männer lebend wieder zum Fort zurückkommen, da der Weg durchs Gebirge führt. Er entscheidet, dass der ehemalige Outlaw John Fitzgerald (Tom Hardy), der junge Jim Bridger (Will Poulter) und natürlich Hawk beim sehr bald sterbenden Glass zurückbleiben sollen und sobald er stirbt ihm ein Begräbnis zukommen zu lassen. Doch es kommt anders: Fitzgerald denkt gar nicht daran beim schwerverletzten Glass zu bleiben und hat einen fiesen Plan geschmiedet, mit schwerwiegenden Folgen. Allein bleibt Glass liegen, doch er kann alle Kräfte mobilisieren und setzt sich mehr auf dem Boden liegend als laufend in Bewegung...

Immer mehr nimmt die Rachestory den Hauptplatz des Geschehens ein, dabei taucht  ein Pawnee-Indianer namens Hikuc (Arthur RedCloud) auf, der eine gewisse Heilung der Verletzungen bewirken kann. Immer wieder gleitet der Film in die Traumwelt von Glass ab, dort begegnet ihm immer wieder seine tote Frau oder er sieht Bilder der Vergangenheit als sein Sohn noch sehr klein war. "The Revenant" ist somit ein Pendler zwischen den beiden verfeindeten Kulturen und oft muss er seinen hitzköpfigen Sohn beschwichtigen die Ruhe zu bewahren, was die Männer in der Gruppe über die Rothäute sagen. Für seine Geschichte wählte der mexikanische Meisterregisseur drastische und brutale Bilder, die die elegische Atmosphäre immer wieder durchbricht. Dies ist die große Strärke des großen Films, der sicherlich zu den besten Filmen des Jahres gezählt werden muss. Domiant ist der Instinkt des Mannes, der am Leben bleiben will und alles dafür tut, auch mal rohe Bisonleber essen oder in einem Tierkadaver übernachten, damit er nicht erfriert. Rache ist eine seiner Triebfedern, er hofft auf eine Erlösung. Leonardo di Caprio spielt wirklich klasse, es ist meines Erachtens tatsächlich seine bislang beste Darstellung seiner karriere.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.