Mittwoch, 6. Mai 2026

Kid Blue (Kid Blue)


Regie: James Frawley

Bandit oder Bürger....

Kid Blue" von James Frawley entstand 1973 und ist ein sehr ungewöhnlicher Western. Sein bekanntester Kinofilm ist "Muppet Movie" aus dem Jahr 1979 - aber er war vor allem fürs Fernsehen tätig und drehte Serien wie "The Monkees" (von 1966 bis 1968), "Columbo",  "Law and Order"oder "Chicago Hope". Für "Kid Blue" standen ihm sehr Darsteller wie Warren Oates, Ralph Waite, Ben Johnson, Peter Boyle und nicht zuletzt Dennis Hopper in der Titelrolle zur Verfügung. Man kann "Kid Blue" durchaus auch als einen Antiwestern ansehen, denn die Hauptfigur des Films ist eine Art Verlierertyp, der sich vor noch nicht allzu langer Zeit als Eisenbahnräuber durchschlug und die Gegend unsicher machte. Aber die Zeiten haben sich geändert und das weite Land verändert sich. So gibt es auch in den kleineren Städten bereits Fabriken, durch die man Geld zum Lebensunterhalt verdienen kann. Eine Änderung ist also angesagt.  Der in Südtexas als „Kid Blue“ berüchtigte Ganove Bickford Warner (Dennis Hopper) ist die Zeit des Herumvagabundierens leid und begibt sich nach dem Städtchen Dime Box, um dort, zum allgemeinen Amüsement seiner alten Gang, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen. Der erste Job beim örtlichen Barbier (M. Emmet Walsh) geht gründlich in die Hose, dernn er wird bei schlechter Bezahlung auch noch schlecht behandelt  und so fängt Bickford in der Keramikfabrik von Mr. Hendricks (Clifton James) an. Dort stellt man Aschenbecher für die größeren Städte im Osten des Landes her. Mit dem Pärchen Reese (Warren Oates) und Molly Ford (Lee Purcell) gewinnt Bickford zwei gute Freunde, doch er landet bald mit Molly im Bett. Überhaupt vertragen das konventionelle Spießerdasein und Bickfords Wesen sich überhaupt nicht miteinander. Ausserdem mag Sheriff Simpson (Ben Johnson) den jungen Mann mit langen Haaren überhaupt nicht. Als mit Janet Conforto (Janice Rule) eine alte Bekannte aus der Zeit des Banditentums im spießigen Städtchen auftaucht, wird Bickford Warner wieder mit seiner Zeit als "Kid Blue" konfrontiert. Und bald schon hat er einen Plan im Kopf, wie er mit drei Indianern an die Werkskasse von Mr. Hendricks kommt...



Bei Frawley geht das Ende - man kann es kaum glauben - für den Verlierer in letzter Sekunde doch noch gut aus. Zumindest entkommt er mit dem Geld - aber nicht durch das Fluggerät, dass für die moderne Zeit steht, sondern es gelingt mit den Ureinwohnern mit Kriegsbemalung und zu Pferd - also zurück zur guten alten Zeit. "kid Blue" ist ein Produkt der Ära des New Hollywood und wie zuvor Dustin Hoffman in Arthur Penns "Little Big Man" tritt auch Dennis Hopper als eine Art schelmischer Simplicissimus an, sich den Gepflogenheiten einer merkwürdig pevertierten, neuen Ära zu stellen,er scheitert jedoch an deren verlogener Doppelmoral.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

 

Dreckiger kleiner Billy (Dirty little Billy)






















Regie: Stan Dragoti

Junger Revolverheld...

Der amerikanische Filmregisseur Stan Dragoti (1932 bis 2018) hat nur sehr wenige Filme gedreht. Sein größter Kinoerfolg war sicherlich die Vampirparodie "Liebe auf den ersten Biß" mit George Hamiltion als Blutsauger Dracula. Auch die 1983 realisierte Komödie "Mr. Mom" mit Michael Keaton war sehr erfolgreich. Sein Debütfilm "Dreckiger kleiner Billy" ist ein ziemlich harter, aber wie der Name schon suggeriert auch ein dreckiger Western. Er entstand 1972, also kurz nachdem Robert Altman mit "McCabe & Mrs. Miller" im Kino erfolgreich lief und ebenso ein sehr schmutziges Bild vom glorreichen wilden Westen zeichnete. Tatsächlich wirkte dieses düstere Westernbild für den Zuschauer in den 70er Jahren viel realistischer. Es entstanden in dieser Zeit filmische Verwandte wie "Doc" (Frank Perry), "Pat Garrett und Billy the Kid" (Sam Peckinpah), "High Plains Drifter" (Clint Eastwood), "In schlechter Gesellschaft" (Robert Benton) und "Der weite Ritt" (Peter Fonda).  Dass die USA aus Dreck und Gewalt geboren wurden, haben Western zwar nie verschwiegen. Aber in diesen frühen 70er Jahren hatten solche Filme Hochkonjunktur.  "Dirty Little Billy“ wurde von Stan Dragoti auch geschrieben und man fand in dem damals 33jährigen Michael J. Pollard (trotz unterschiedlichem Alter zu seiner Filmfigur) eine perfekte Besetzung für den 17jährigen Billy Bonney, der später zum berüchtigten "Billy the Kid" aufstieg. Der Film, der in Coffeyville, Kansas, spielt, ist natürlich auch vom düsteren Stil der Spaghetti-Western beeinflusst und bietet einen einzigartigen Einblick in die Anfänge des berüchtigten Outlaws. Er ist bemerkenswert für Nick Noltes Filmdebüt, präsentiert auch Gary Busey in seinen Anfängen sowie einen kurzen Auftritt des Experimentalfilmers und Künstlers William Ault.BVorhand auf für dieses harte und brutale Porträt eines psychopathischen, aber dennoch jungen Mannes – des berüchtigten Billy the Kid in seinen schmutzigen Anfängen. Das 17 jährige Muttersöhnchen Billy landet mit seiner Ma (Dran Hamilton) und ihrem neuen Gatten (Willard Sage) in einer elendig verrotteten Gegend im mittleren Westen. Sein Stiefvater läßt sich eine vergammelte Farm andrehen und nötigt den lustlosen Teenager zur Landarbeit. Obwohl Billy sich die Hände blutig ackert, macht er seinem verhaßten Stiefvater nichts recht. Er beschließt in seine Heimat New York zurückzukehren. Kaum auf den nächsten Zug aufgesprungen, ändert der Knabe seine Meinung und bleibt in der nahen Ortschaft Coffeyville, einem Schlammloch, dem Tombstone aus Corbuccis Django nicht unähnlich. In einer kleinen vermieften Kneipe inkl. Puff lernt Billy den Möchtegern Gunfighter/Zuhälter Goldie (Richard Evans) kennen, den er von nun an geradezu anhimmelt. In einem Pokerspiel, in welchem Goldie gegen drei Dreckspätze und deren Gammelbraut am Verlieren ist, kommt es zu einer ersten Gewalteruption, in welcher schon zu bestaunen ist, das Goldie ein Feigling ist. Nur seine Freundin Berle (Lee Purcell), die mit beherztem Einsatz einschreitet, in dem sie zum Bowiemesser greift und mit einer anderen Frau einen "Frau schlitzt Frau" Tanz wagt, verdanken die beiden Looser Billy und Goldie ihr Leben. Nachdem Billy von Goldie ein wenig den Umgang mit dem Revolver gelernt hat, erteilt ihm Berle noch praktischen Nachhilfe Unterricht in Sexualkunde. Das glückliche Alkoholikerdasein der drei Nichtsnutze wird jäh von einem Ultimatum des Bürgermeister gestört. Goldie wird sehr deutlich nahegelegt, das er in der Stadt nicht mehr geduldet wird, aber bei freiwilliger Abreise einen Mustang so wie freies Geleit bekäme. Der Stadtobere ist ein Lügner, Goldie wird vom Pferd geschossen und jammert um sein Leben. Wieder ist es Berle die zur Waffe greift, den schießwütigen Pöbel ablenkt, selbst von Schrot durchlöchert wird, aber selbstlos den beiden Knallköpfen Goldie und Billy die Flucht ermöglicht. In den Bergen werden die Zwei von mehreren Outlaws überfallen. Kurz bevor der wieder einmal eine erbärmliche Figur abgebende Goldie das Zeitliche segnet, wächst Billy über sich hinaus und tötet in einer blutigen Schießerei die Outlaws. Goldie lobt Billy, die Freunde plündern die Habseligkeiten und Waffen der Toten und reiten neuen Erlebnissen entgegen..



Der Film ist eine zynische Abrechnung mit betont viel Schmutz, Schlamm und Elend der Umgebung mit vielen dunklen Innenaufnahmen. Der Film zeichnete sich durch Altman-artige naturalistische Dialoge aus. Dies ist kein typischer Hollywood-Western. Er ähnelt eher einer Dokumentation über die Entstehung eines Soziopathen, mit Michael J. Pollard in der Rolle des 17-jährigen, heimatlosen Billy Bonney in den Tagen vor seiner Verwandlung zum berüchtigten Billy the Kid … die perfekte Rolle für Pollard. Der Schauspieler wurde 1967 durch „Bonnie und Clyde“ berühmt, für diesen Film erhielt er auch eine Oscarnominierung. 


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 2. Juni 2025

Der große Schweiger


 

Regie: Robert Mulligan

Der Verfolger...

Der größte Triumph in Gregory Pecks langer Filmkarriere war sicherlich der Sieg bei der Oscarverleihung 1963, als er nach vier erfolglosen Nominierungen für die Rolle als Atticus Finch in "Wer die Nachtigall stört" ausgezeichnet wurde. Im Laufe seiner aktiven Laufbahn hat er auch einige Western gedreht, die zu Klassikern wurden: "Herrin der toten Stadt", "Duell in der Sonne", "Der Scharfschütze", "Bis zum letzten Atemzug", "Bravados", "Weites Land", "Abrechnung in Gun Hill" oder "Begrabt die Wölfe in der Schlucht".
Mit Robert Mulligan drehte er nicht nur seinen Oscarfilm, auch ein Western entstand in Gemeinschaftsarbeit": "Der große Schweiger" wurde von Alan J. Pakula produziert, aber er blieb bis heute weitestgehend unbekannt.
Soldaten der US-Armee treiben eine Gruppe Indianer zusammen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Überraschenderweise finden sie unter ihnen eine weiße Frau (Eva Marie Saint) und ihren halbindischen Sohn (Noland Clay). Sam Varner (Gregory Peck) ist ein Fährtenleser, der zeitgleich den Dienst bei der Armee quittiert und auf seiner Ranch in New Mexico eine neue Aufgabe hat. Er willigt aber ein, Sarah Carver (so heißt die Frau, die jahrelang bei den Indianern gelebt hat)  und ihren Sohn zu begleiten, nachdem sie ihn angefleht hat. Sie möchte sofort aufbrechen, anstatt fünf Tage auf eine Militäreskorte zu warten. Sam bringt sie zu einer Postkutschenhaltestelle namens Hennessy. Der Junge rennt nachts weg. Varner und Sarah machen sich auf die Suche nach ihm, als ein Staubsturm beginnt. Sie finden den Jungen und verkriechen sich dann um den Sturm abzuwarten. Als sie zur Station zurückkehren, sind alle dort tot, getötet vom indischen Kriegervater des Jungen, Salvaje (gespielt von Nathaniel Narcisco). Selbst unter seinem eigenen Volk ist Salvaje sehr gefürchtet – und das aus gutem Grund: Er gilt als stiller und rücksichtsloser Killer. Salvaje bedeutet auf Apache "Geist“ oder in ihrer eigenen Sprache "Er, der nicht hier ist“, was einen toten Mann bedeutet. Nach reiflicher Überlegung beschließt Sam, Sarah und ihren Sohn einzuladen, ihn auf seine Ranch zu begleiten, wo sie für ihn und einen alten Mann, Ned (Russell Thorson), kochen kann, der sich um die Ranch kümmert. Sam verkauft sein Pferd und sie fahren mit dem Zug nach New Mexico. Sie versuchen zusammenzuleben. Sarah und ihr Sohn sind trotz Sams Bemühungen nicht sehr gesprächig. Sein Freund Nick (Robert Forster), ein Mischlings-Scout, mit dem er seit zehn Jahren befreundet ist, taucht auf. Nick erzählt ihm, dass Salvaje alle in Silverton und sogar Sams altes Pferd getötet hat. Es ist offensichtlich, dass Salvaje zur Ranch kommt, um seinen Sohn zurückzuholen....



Der Film wurde mit ruhiger Hand inszeniert und hat einige sehr spannende Momente, die mit dem Soundtrack von Fred Karlin noch an Suspence gewinnen. Kameramann Charles Lang gehört ohnehin zu den ganz Großen in seinem Metier. Der interessanteste Aspekt ist die Hin- und Hergerissenheit des Jungen, der von Noland Clay gespielt wird. 


Bewertung:  8von 10 Punkten. 
 

Mittwoch, 7. Dezember 2022

Die Ballade von Buster Scruggs (The Ballad of Buster Scruggs)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joel and Ethan Coen

Es war einmal im Wilden Westen....

Bereits mit dem Remake von "True Grit" bewiesen die Brüder Joel und Ethan Coen eindrucksvoll, dass sie auch gute Western inszenieren können. Auch ihr oscarprämierter "No Country for old men" beinhaltet viele Elemente des Genres und darf zu Recht zu den besten Neowestern überhaupt gezählt werden. Zoe
Der 2016 gedrehte "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein Netflix Film und erzählt in 6 Episoden Geschichten aus dem Wilden Westen. Die Musik schrieb Carter Burwell und als Kameramann war der Franzose Bruno Debonnel tätig, der sich bereits über sechs Oscarnomierungen ("Fabelhafte Welt der Amelie", "Mathilde", "Inside Llewyn Davis", "Harry Potter und der Halbblutprinz", "Die dunkelste Stunde" und "Macbeth") freuen konnte und auch hier zur Höchstform aufläuft. Leider wurde er diesmal bei den Oscars übergangen - dennoch brachte es "Buster Scruggs" auf drei Nominierungen - für das beste Drehbuch, für die Kostüme und auch der Filmsong "When a cowboy trades his spurs for Wings" wurde berücksichtigt. Am Ende ging der Film jedoch leer aus.
Die einzelnen Episoden sind alle sehr unterschiedlich, aber ausnahmslos gut gelungen.
Der Film beginnt mit "The Ballad of Buster Scruggs" - Tim Blake Nelson spielt den singenden Revolverhelden, keiner ist so flink wie er mit dem Colt. Aber es kommt immer irgendwann einer daher, der noch schneller ist. Es folgt "Near Algodones" - die Geschichte über einen glücklosen Bankräuber (James Franco), der erhängt werden soll. Doch in der letzten Sekunde kann er dem Galgenstrick entkommen, da Indianer angreifen. Doch das ist noch nicht das Ende dieser tragischen Geschichte. "Meal Ticket" ist eine melancholische und skurrile Story über einen fahrenden Impressario (Liam Neeson), der mit seinem Theaterwagen den wilden Westen bereist und den neugierigen Zuschauern seine Attraktion, einen Mann ohne Arme und Beine (Harry Melling) Geschichten erzählen lässt. Doch dann hört er von einem Konkurrenten, der mit einem sehr klugen Huhn mehr Geld macht als er selbst. In der 4. Episode ist Tom Waits als Goldsucher zu sehen, der in einem verlassenen Tal nach Gold. Die Mühe lohnt sich irgendwann, doch ein mieser Bandit hat ihn schon beobachtet. In dem Moment, als er die Goldader freilegt, fällt ein Schuß.
Es folgt eine Geschichte über einen Siedlertreck nach Oregon. Unter ihnen sind die Geschwister Gilbert (Jeffrey Mayes) und Alice Longabaugh (Zoe Kazan) sowie Gilberts ständig bellender Hund. Unterwegs verstirbt Gilbert plötzlich und Alice ist überfordert, weil bisher immer der Bruder alles regelte. Zum Glück sind die Treckführer Mr. Arthur (Grainger Haines) und Mr. Knapp (Billy Heck) in dieser Situation eine große Hilfe. Der Episodenreigen wird mit dem makabren "The Mortal Reimains" beendet. Die Geschichte findet in einer Kutsche mit fnf Insassen statt. Ein Engländer (Jonio O´Neill), ein Ire (Brendan Gleeson), ein Französe (Saul Rubinek), ein Trapper (Chelcie Ross) und die vornehme Lady Betjemen (Tyne Daly). Die Fahrt erweist sich immer mehr als Reise ins Jenseits...


Die sechs Geschichten passen vorzüglich zueinander und jeder dieser Episoden hinterlässt irgendwie einen bleibenden Eindruck. Vor allem weil sie völlig ohne die üblichen Westernzutaten auskommen und einen ganz persönlichen Coen Touch ausstrahlen. Am besten hat mir "The Gal who got rattled" gefallen, diese Geschichte über den Oregan Trail. Wobei sicherlich jede dieser Sequenzen seine Liebhaber finden wird. "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein großartiges Westernkaleidoskop, dass sehr viel Spass macht.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Montag, 28. Februar 2022

The Revenant (The Revenant)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu

Die Legende von Hugh Glass...

Der mexikanische Filmregisseur Alejandro Gonzales Inaritu hat bisher 6 Kinofilme gemacht und alle seine Filme waren bisher sehr gut. Drei davon kann man sogar als echte Meisterwerke bezeichnen, nach "Amores Perros" und "Babel" gelang ihm nun mit dem Trapperfilm "The Revenant" ein drittes Filmjuwel. So richtig einordnen in seine bisherige Filmographie lässt sich diese epische Version von Sidney Pollacks "Jeremiah Johnson" zwar nicht, denn er betrat ganz neue Pfade. Dennoch blieb er der episch ausufernden Form treu und gestaltete seinen mystischen Rachewestern opulent und bildgewaltig wie Costners "Der mit dem Wolf tanzt". Ein echter Könner wie der Japaner Ryuiche Sakamoto war für die Musik verantwortlich und mit dem dreifachen Oscarpreisträger und Kameramann Emmanuel Lubetzi (Sleepy Hollow, Tree of Life, Gravity, Birdmann) konnte auch nichts in Sachen grandios gestalteter Kinobilder schiefgehen. Erzählt wird in freier Form die Lebensgeschichte des Trappers Hugh Glass, dessen Abenteuer vielfach überliefertn und von Legenden umrankt wird. Er soll einen Grizzlybärangriff in den Rocky Mountains überlebt haben und dieser Kampf ist einer der markantesten Szenen des Films. Die damaligen Erlebnisse wurden noch zu seinen Lebzeiten in unterschiedlichsten Varianten berichtet und veröffentlicht, nach seinem Tod wurde die Mythenbildung fortgesetzt, obwohl irgendwann kaum noch zuverlässige Quellen dafür existierten. Im Jahr 1954 schrieb der US-amerikanische Autor Frederick Manfred einen Roman über den Mann der Berge mit dem Namen "Lord Grizzly". Richard C. Sarafian drehte 1971 erstmalig einen Film über Glass, darin verkörperte Richard Harris "Ein Mann in der Wildnis". 2002 erschien von Michael Punke ein weiterer Roman "Der Totgeglaubte -Eine wahre Geschichte", der nun von Inarritu erfolgreich verfilmt wurde - insgesamt 12 Nominierungen für den Oscar konnte der Film auf sich vereinigen, am Ende war "The Revenant" in drei dieser Kategorien Sieger. Inarritu bekam nach "Birdman" seinen zweiten Oscar, Kameramann Lubezki gewann seinen dritten Academy Award und endlich klappte es auch für den Hauptdarsteller Leonardo di Caprio nach vier vergeblichen Anläufen als bester Schauspieler.
Der Film setzt auf starke Bilder, auch rohe ungeschönte Gewalt und auf viel Mythologie. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo di Caprio) trauert immer noch um seine indianische Frau, eine Pawnee (Grace Dove). Das einzige was ihm bliebt ist sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck). Die beiden sind Mitglieder einer Expedition der Rocky Mountain Fur Company, die in der Wildnis von North und South Dakota auf der Jagd sind und möglichst viele Felle erbeuten sollen. Urplötzlich wird die Gruppe von einer Gruppe Ree, die auf dem Kriegspfad sind, angegriffen. Der Kampf wird zum richtigen Massaker, viele Pelzjäger sterben. Unter schweren Verlusten treten die Männer ihre Flucht mit einem Boot an, doch die Indianer sind ihnen auf den Fersen, da der Häuptling Elk Dog (Duane Howard) seine von weißen Männern verschleppte Tochter Powaqa (Melaw Nakehk´o) sucht. Die Flüchtenden müssen sich zu Fuß durchschlagen. Auf einem Erkundungsgang gerät Glass zwischen eine Grizzlybärin und ihre Jungen. Er wird sofort angegriffen und durch den Kampf schwer verwundet. Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) hat aber mit dem Verletzten keine Chance, dass seine Männer lebend wieder zum Fort zurückkommen, da der Weg durchs Gebirge führt. Er entscheidet, dass der ehemalige Outlaw John Fitzgerald (Tom Hardy), der junge Jim Bridger (Will Poulter) und natürlich Hawk beim sehr bald sterbenden Glass zurückbleiben sollen und sobald er stirbt ihm ein Begräbnis zukommen zu lassen. Doch es kommt anders: Fitzgerald denkt gar nicht daran beim schwerverletzten Glass zu bleiben und hat einen fiesen Plan geschmiedet, mit schwerwiegenden Folgen. Allein bleibt Glass liegen, doch er kann alle Kräfte mobilisieren und setzt sich mehr auf dem Boden liegend als laufend in Bewegung...

Immer mehr nimmt die Rachestory den Hauptplatz des Geschehens ein, dabei taucht  ein Pawnee-Indianer namens Hikuc (Arthur RedCloud) auf, der eine gewisse Heilung der Verletzungen bewirken kann. Immer wieder gleitet der Film in die Traumwelt von Glass ab, dort begegnet ihm immer wieder seine tote Frau oder er sieht Bilder der Vergangenheit als sein Sohn noch sehr klein war. "The Revenant" ist somit ein Pendler zwischen den beiden verfeindeten Kulturen und oft muss er seinen hitzköpfigen Sohn beschwichtigen die Ruhe zu bewahren, was die Männer in der Gruppe über die Rothäute sagen. Für seine Geschichte wählte der mexikanische Meisterregisseur drastische und brutale Bilder, die die elegische Atmosphäre immer wieder durchbricht. Dies ist die große Strärke des großen Films, der sicherlich zu den besten Filmen des Jahres gezählt werden muss. Domiant ist der Instinkt des Mannes, der am Leben bleiben will und alles dafür tut, auch mal rohe Bisonleber essen oder in einem Tierkadaver übernachten, damit er nicht erfriert. Rache ist eine seiner Triebfedern, er hofft auf eine Erlösung. Leonardo di Caprio spielt wirklich klasse, es ist meines Erachtens tatsächlich seine bislang beste Darstellung seiner karriere.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

The Hateful Eight (The Hateful Eight)


Regie: Quentin Tarantino

Was wirklich in Minnies Kurzwarenladen geschah...

Es wurde noch gar nicht gebührend vermerkt, aber das Filmjahr 2016 scheint große Western hervorzubringen: Nach dem wuchtigen Trapperfilm "The Revenant" von Alejandro Gonzalez Inarritu und dem fiesen Schlachterwestern "Bone Tomahawk" von S. Craig Zahler kann auch Quentin Tarantino seinen zweiten Western in Folge präsentieren. Und "The Hateful Eight" ist um soviel anders als "Django Unchained", seine vielberühmte Spaghetti-Westen Hommage aus dem Jahr 2012. Der US-Autorenfilmer scheint sich mit seinem neuen Werk wieder an seine ursprünglichen Stärken zurückzuerinnern und verzichtet auf das Zusammenfügen großer Filmzitate und Liebeserklärungen auf das Kino von Gestern. "The Hateful Eight" erinnert irgendwie an die Dialoglastigkeit seines erstes Riesenerfolgs "Reservoir Dogs", der auch nur einen begrenzten Handlungsort zur Verfügung stellte. Und so wird "Minnies Kurzwarenladen", eine Herberge irgendwo in der Wildnis von Wyoming, zum Hauptort der Handlung. Hier laufen die Fäden der Geschichte zusammen und hier kommt es auch zum ultimativen brutalen Höhepunkt der Story. Einige Kritiker haben Tarantino natürlich angelastet, dass er statt großer Landschaftsbilder, die gute Spätwestern auszeichnen, weitestgehend verzichtet und stattdessen den Focus auf eine kammerspielartige, theaterhafte Inszenierung im warmem Zufluchtsort legt, während draussen ein fieser Schneesturm tobt. Der Film spielt einige Jahre nach dem Sezessionskrieg und in bei Minnie Mink (Dana Gurier) treffen acht hasserfüllte Charaktere aufeinander. Denn dort kommt schon die zweite Postkutsche an. Der Kutscher O.B. Jackson (James Park) soll den gut zahlenden Fahrgast John Ruth (Kurt Russell), genannt "Der Henker" und seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) nach Red Rock bringen, dort kassiert Kopfgeldjäger Ruth 10.000 Dollar für die steckbrieflich gesuchte Frau. Er musste aber auf der Fahrt durch die winterliche Landschaft zwei Männer in der Kutsche mitfahren lassen. Der erste...so ein Zufall...ist ebenfalls ein gefürchteter Kopfgeldjäger. Dieser Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) hat drei tote Banditen bei sich für die er in Red Rock ebenfalls 8.000 Dollar kassieren kann. Doch es herrscht sehr viel Verkehr in dieser einsamen Winterlandschaft. Ein gewisser Chris Mannix (Walton Goggins) behauptet sein Pferd verloren zu haben und ausserdem wäre er der neue Sheriff von Red Rock. So kommen sie zu fünft endlich zur Herberge. Zu Warrens Überraschung ist Minnie gar nicht da und scheint ihre Herberge einem Mexikaner (Demian Bichir) während ihrer einwöchigen Abwesenheit überlassen zu haben. In der Herberge sind weitere Gäste. Ein alter schweigsamer Konföderirtengeneral Sanford Smith (Bruce Dern), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der Brite Oswaldo Mobary (Tim Roth), der behauptet, dass er als Henker in Red Rock gebraucht wird. Keine Frage, hier hat sich mit den acht Hauptfiguren ein illustres Pulverfass versammelt und erst langsam durchschaut der Zuschauer den doppelten Boden in diesem Raum...

Natrülich darf man mal wieder den sehr unkonventionellen Inszernierungsstil von Tarantino bewundern, der in diesem fast dreistündigen Western nach dem Höhepunkt und Showdown noch eine Rückblende auf die Ereignisse präsentiert, ehe die Geschichte komplett erzählt wurde. Er kann sich wie immer auf ein herrlich aufgelegtes Schauspieler-Ensemble verlassen. In kleineren Rollen sind auch Channing Tatum und Zoe Bell zu sehen. Die besten Szenen haben Kurt Russell und Samuel L. Jackson bekommen. Aber auch die Figur, die Walton Goggins spielt, bekommt iimmer mehr Profil im Laufe der Geschichte. Der Schlagabtausch in Form von interessanten Dialogen ist natürlich sehr Tarantino typisch und an manchen Stellen wieder genial. Von einigen Kriikern wurde der Film als geschwätzig bezeichnet, manche fanden diesen Western auch sperrig. Der Einwand mit der Geschwätzigkeit muss man wohl so stehen lassen, aber genau dies war auch ein positiver Faktor seiner Meisterwerke "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction" oder "Jackie Brown". Hier ist wieder mehr darin zu finden als in "Django Unchained" oder "Inglorious Basterds". Sperrig finde ich den Film aber überhaupt nicht. Er ist als Western sogar um einiges eingeständiger als sein Vorgänger und er kann trotz der Kammerspielinzenierung bis zum Schluß gekonnt die Spannung aufrechterhalten. Die Figuren sind halt wie immer markant gezeichnet und man interessiert sich für sie. Bei der Oscarverleihung konnte Enno Morricone den Oscar für die beste Filmmusik erhalten. Ausserdem hört man auch einen Song von Roy Orbison im Abspann. Nominiert wurden auch Nebendarstellerin Jennifer Jason Leigh und Kameramann Robert Richardson.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz (The Wild Bunch)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sam Peckinpah

Ameisen, Skorpione, Menschen...

Pike Bishop (William Holden) und seine Gang kommen im Jahr 1914 als Soldaten getarnt in die texanische Grenzstadt San Rafael, um dort das Lohnbüro der Eisenbahngesellschaft auszurauben. In den Straßen der Stadt geht es an diesem Tag recht turbulent zu,  denn bei einem gut besuchten Erweckungsevent entsagen die Bürger gerade dem Alkohol und absolvieren dazu eine Parade. Den Männern zu Pferd mit den Kavallerieunfiormen schenkt man keine große Beachtung. Auch die Kinder der Stadt sind mit etwas anderem beschäftigt. Sie spielen ein grausames Spiel mit einigen Skorpionen, die sie immer wieder in einen Ameisenhaufen werfen, damit die größeren Tiere von den viel kleineren bei lebendigem Leib aufgefressen werden. Sie sind sichtlich begeistert von dem Naturspektakel über das Fressen und Gefressenwerden. Auch beachten sie die vorbeireitende Bande nicht, sondern zünden nachdem die Skorpione schon Opfer wurden für die siegreichen Täter ein Feuer an, so dass auch die Ameisen sterben und qualvoll verbrennen. Währenddessen überfallen Pikes Männer das Lohnbüro, alles scheint gut zu gehen. Sie wissen aber nicht, dass die Bahngesellschaft skrupellose Kopfgeldjäger engagiert hat, um Pike und seine Gang zu jagen. Unter den Killern ist auch Deke Thornton (Robert Ryan), der frühere beste Freund von Pike und ehemals Bandenmitglied, der durch die Festnahme von Pike die einzige Möglichkeit hat, dass ihm seine eigene hohe Gefängnisstrafe erlassen wird. Die Kopfgeldjäger (Strother Martin und L. Q. Jones) haben bereits Position auf dem Dach des Nachbargebäudes bezogen, bereit dafür sofort zu schießen, wenn die Räuber die Bank verlassen. Die Bande muss sich den Weg aus der Stadt freischießen - es kommt zu einem blutigen Massaker mit vielen Toten, darunter auch unbescholtene Bürger. Mit Dutch Engstrom (Ernest Borgnine), den Brüdern Lyle (Warren Oates) und Tector Gorch (Ben Johnson) sowie dem Mexikaner Angel (Jaime Sanchez) kann Pike fliehen, doch viele seiner Männer werden erschossen. Sie treffen sich ausserhalb der Stadt mit Freddie Sykes (Edmund O´Brien), dem ältesten Mitglied der Bande - dort soll die Beute geteilt werden und mit neuen Pferden die Flucht nach Mexiko angetreten werden. Doch die Desperados finden statt Geld nur Dichtungsringe aus Metall in den Postsäcken. In Mexiko selbst machen sie die Bekanntschaft mit dem Banditengeneral Mapache (Emilio Fernandez), der mit seinen Männern das Dorf von Angel geplündert hat, dessen Vater ermordet und Angels Mädchen als Geliebte mitgenommen hat. Er macht den "Gringos" das Angebot für 10.000 Dollar in Gold, wenn sie für ihn einen amerikanischen Munitionszug ausrauben. Aufgrund der Spannung, die Angel durch seinen Haß auf Mapache erzeugt hat, müssen die Männer einwilligen. Immer verfolgt natürlich von Deke Thornton und seiner Handvoll von zwielichten Gestalten. Der Coup gelingt zwar, aber dennoch ist die Geschichte vom "Wild Bunch" von Anfang an immer ein Ritt in den Tod...

und Peckinpah zelebriert diesen Trip in den Abgrund mit einer extrem blutigen Spur, aber auch mit dieser eigentümlichen traurigen Romantik, die ihn schliesslich zu einem der besten Western aller Zeiten machte. Sein Spätwestern wurde wegen seiner Gewaltszenen schnell berüchtigt und berühmt, er ist der zweite amerikanische Klassiker nach Arthur Penns "Bonnie and Clyde", der Slowmotion zum konsequenten Stilmittel des Blutrausches macht. Die Toten wirbeln wie in einem Ballett durch die Luft. Lucien Ballards Kamera erzeugt diese heroische Verlorenheit, die die ganze Geschichte als roter Faden durchzieht. Unvergessen bleibt der Showdown, der automatisch funktioniert, ohne dass die vier Männer dazu einen Dialog bräuchten - sie gehen nach dem Besuch im Puff wortlos zu ihren Pferden, nehmen die Knarren und laufen dann gemeinsam in Richtung Mapache, der sich von seinen Untergebenenen und den deutschen Verbündeten feiern lässt. Neben "Sacramento" ist dies Sam Peckinpahs größter Regietriumph, alleine schon bei der unglaublich intensiven Eingangsszene mit dem Gegenschnitt von Banküberfall und den draussen spielenden Kindern lässt sich sowohl Vielschichtigkeit und Thema schon erkennen. Die Gewaltszenen werden immer wieder gebrochen durch versöhnliche Bilder und durch die Präsenz der männlichen Freundschaft. Der alte Mexikaner sagt dann auch einmal "Wir träumen alle davon, wieder Kind zu sein, selbst die Schlimmsten von uns". Doch es gibt in Peckinpahs düsterem Abgesang kein Zurück zu den guten alten Zeiten, geschweige denn eine hoffnungsvollere Zukunft - sondern alle Männer sind zum Untergang verdammt. Ähnlich wie der Überlebenskampf am Anfang des Films mit den Skorpionen, die sich verzweifelt gegen die Übermacht der Ameisen wehren, aber durch die Kinder immer wieder daran gehindert,  dem Ameisenhaufen zu entrinnen. Bis dann das ganze Szenario des Kampfes selbst in Flammen aufgeht, von einer mächtigeren Spezies gesteuert, weder für Skorpion noch Ameise erkennbar...dem Menschen. Der Kreis ist geschlossen und selbst die übrig gebliebenen Leichenfledderer sind dann logischerweise auch schneller als man denkt dem Tode geweiht. Eine Anspielung auf die höhere Macht, die alles steuert ? Die gebrochenen Männer, die Peckinpah hier zeigt und von den grandiosen Darstellern Holden, Borgnine, O´Brien und Ryan so intensiv dargestellt werden, sind weder Gut noch Böse, auch lange keine Helden - sie haben lediglich ihren Männerbund, denn nur gemeinsam gelingt ein Halt in dieser feindlichen Umgebung. Man merkt auch die enge Identifkation des Regisseurs mit seinen tragischen Hauptcharakteren. Sie versuchen sich in einer Welt zu behaupten, in der kein Platz mehr für sie vorhanden ist. Es sind diese letzten amerikanischen Outlaws des alten Wilden Westens, die mit einer neuen Zeit und mit neuen Generationen konfrontiert sind, was ja auch in seinem vorher gedrehten Meisterwerk "Sacramento" vorherrschendes Thema war. Doch der großartige Western hat noch viele weitere Subtexte zu bieten. So spielt Peckinpah geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers, der eigentlich davon ausgeht, dass diese in die Stadt reitenden Soldaten Männer des Gesetzes sein müssten, aber stattdessen sind es diese schrägen Galgenvögel auf dem Dach des Gebäudes, die auf der Seite der "Guten" stehen. Die Welt ist nicht immer so wie sie erscheint, so sind auch die kleinen Ameisen zumindest für einen trügerischen Moment Sieger über die Skorpione. Es ist alles hervorragend gemacht, da Peckinpah gar keine Position einnimmt, sondern zeigt. Und spätestens wenn sich die Outlaws der tödlcihen Übermacht gegenüberstellt ist klar, dass wir uns hier im obersten Western-Olymp befinden.
Die Gewalt folgt einer melancholischen Choreografie. Es ist weder Heldenepos noch Banden-Western. Es ist - durch viiele Szenen belegt - die Geschichte über das ganz große persönliche Scheitern und darüber, dass man in dieser destruktiven Lage den Wunsch hat,  noch ein Stück über sich hinauszuwachsen oder zumindest etwas von bleibendem Wert erkennen kann. Als Pike am Ende die junge mexikanische Prostituierte verlässt, meint man an seinem müden Blick in ihre Richtung zu erkennen, dass er sich in diesem Moment eingesteht, nichts mehr von Wert weitergeben zu können, keine Familie zu haben und die Frage im Raum steht, welchen Sinn das alles hatte - im Angesicht des nahen Todes. Diese Verzweiflung wird dann in der Sequenz noch weiter auf die Spitze getrieben, in dem Moment als Mapache von Pike erschossen wird und ein paar Sekunden Stille vor dem unvermeidlichen Schlachtfest herrscht, die dann durch ein sonderbares, verzweifeltes wie auch befreiendes Lachen von Dutch aufgelöst wird - dann erst wird weiter geschosssen, obwohl es so aussah, als hätte für diese paar Sekunden die Welt und das irdische Dasein eine himmlische Wahrheit entdeckt.
 Aufnahmen und Einstellungen von Kindern hat Peckinpah immer wieder in seine Handlung eingeschnitten. Sie sind Zeugen der Gewalt, sie üben dann selbst Gewalt aus. Peckinpah war interessiert daran, die Frage zu stellen, woher die Gewalt kommt, wie sie funktioniert und wohin sie am Ende führt. Erwachsene als Vorbilder lassen sich in dieser von Peckinpah gezeigten Welt überhaupt nicht ausmachen, es sieht so aus, als würde sich die Gewalt fortpfanzen. Da Erwachsene zwangsläufig Vorbilder sein müssen, sieht man die Kinder, wie sie die Schießerei mit mehreren Toten, gleich nach der Flucht der Banditen, nachahmen. Genauso deutlich wird diese katastrophale Vorbildfunktion in der Szene, als der kleine mexikanische Kindersoldat seinem Hauptmann Mapache einen Nachricht überbringt.
Die Zeit wandelt sich in "The Wild Bunch" - die alte Wild West Epoche geht zu Ende, es gibt moderne und vernichtendere Waffen wie bspw. ein automatisches Maschinengewehr, mit dem Mapache fast wie ein Kind zu spielen beginnt - wohlwissend, dass es eine totbringende Waffe ist, die durchs Rumballern ohne das Gerät im Griff zu haben, wieder einige Menschenleben in der näheren Umgebung fordert. Macht ja nix, das Leben scheint keinem hier - weder in Mexiko, noch beim großen Nachbarn Amerika,  viel Wert zu sein. Und ein moralisches Gerüst, aus dem sich ein positiveres Handeln entwickeln könnte, ist weit und breit nicht in Sicht. Somit sind die Zukunftsaussichten auch nicht rosig. Der Mensch bleibt in diesem zwanghaften Kampf namens Überlebenswillen wohl oder übel gefangen. Trotzdem haben sich die Männer des Wild Bunch auch einigermassen harmonisch eingerichtet, denn zu wissen, dass man sich auf den anderen verlassen kann, sofern man sich an den über allem stehenden Regelkodex hält. Das bedeutet Klarheit, Sicherheit und  vor allem auch so etwas wie Familie. So ist auch interessanterweise die Wut bei der Entdeckung, dass man für wertlose Dichtungsringe sein Leben riskiert hat, nur für kurze Dauer. Alles verfliegt in ein befreiendes Gelächter über die eigene Dummheit.
Bezogen auf das Genre selbst hat es Peckinpah mit diesem Film geschafft den damals erfolgreicheren ItaloWestern wieder zu überflügeln und das Genre wieder in seine Heimat zu holen. Darauf aufbauend boomte dann in den frühen 70er Jahren der Spätwestern, der auch immer wieder das Vietnam Trauma spiegelte. 

Bewertung: 10 von 10 Punkten.