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Donnerstag, 17. Februar 2022

Hostiles - Feinde (Hostiles)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Scott Cooper

Geschichte mit Blut geschrieben....

"Im Kern ist die amerikanische Seele hart, stoisch und mörderisch. Sie ist noch nicht geschmolzen" - mit diesem Vorwort beginnt der düstere Western "Hostiles" von Scott Cooper aus dem Jahr 2017. Cooper wurde bekannt durch den sehr geglückten Neo Noir "Auge um Auge" mit Christian Bale. Und auch in diesem Film, der in der Endzeit des Wilden Westens spielt, ist Christian Bale wieder mit von der Partie. Seine Figur Captain Joseph J. Blocker ist ein Veteran der Indianerkriege mit einem Ruf als skrupelloser Killer. Tatsächlich ist er aufs Töten der Feinde, der Ureinwohner spezialisiert und tauscht in einer der ersten Szenen mit Master Sergeant Thomas Metz (Rory Cochrane), einem seiner besten Freunde und ständiger Weggefährte in der Army, Erinnerungen an die alten Zeiten aus. Erinnerungen, die eng mit dem Abschlachten der Indianer verbunden sind und beide sprechen von diesen früheren Schlachten sehr positiv. Der Zuschauer kann aber auch erahnen, dass Hass dafür erforderlich war um solche Aktionen durchzuführen. So stellt Cooper diesem Dialog die Anfangsszene als Verbindung dar: Inmitten einer idyllischen Landschaft steht ein Farmhaus und drinnen spielt die Mutter Rosalee Quaid (Rosamund Pike) für ihre beiden Mädchen Lehrerin und gibt ihnen Unterricht. Der Vater ist draußen, als sich eine Horde Komantschen dem Haus nähert. Sie haben es zwar in der ersten Linie auf die Pferde des Farmers abgesehen, aber sie schrecken auch nicht vor Mord zurück. Die Frau fleht ihrem Mann an die Flucht mit ihr und den drei Kindern (das dritte Kind ist noch ein Säugling) zu wagen, doch der Mann will unbedingt sein Hab und Gut verteidigen - er findet den Tod. Auch die beiden Mädchen werden von den Pfeilen der Indianer tödlich getroffen. Rosalee flieht mit dem Baby in den Wald. Immer mehr Blut wird sichtbar beim umwickelten Kind - es hat auch nicht überlebt. Nur die Mutter selbst bleibt am Ende traumatisiert im abgebrannten Farmhaus und kann den Tod ihrer gesamten Familie noch gar nicht fassen.
Sie wird dort bleiben bis die Eskorte von Captain Joseph Blocker (Christian Bale) dort zufällig vorbeikommt und die Witwe auf ihrer Mission mitreiten lässt. Blocker hat den Befehl, dass er den schwer krebskranken Cheyenne Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) vom Reservat in seine Heimat nach Montana, ins ehemalige Stammesgebiet dem Tal der Bären, bringen muss. Der Präsident der vereinigten Staaten hat diesen letzten Wunsch als Gnadenakt dem ehemaligen Feind, der sehr bald sterben wird, zugestanden.  Blocker ist gar nicht erfreut, denn er kennt den Indianerhäuptling als unerbittlichen Krieger, der zahlreiche Freunde von Ihm abgeschlachtet hat.
Mit dem Häuptling darf auch dessen Familie, der Sohn Schwarzer Falke (Adam Beach), Elk Woman (Q’orianka Kilcher), Living Woman (Tanaya Beatty) und der Enkel Little Bear (Xavier Horsechief) den Großvater begleiten. Blocker selbst hat einige Soldaten zur Unterstützung dabei, u.a. den noch nicht sehr erfahrenen West Point Absolventen Lieutenant Rudy Kidder (Jesse Plemons), den noch ganz jungen Private Philippe Desjardins (Timothee Chalamet) und einige kampferprobte Veteranen. Auf dieser Reise werden sich die Feinde (Soldaten vs. Cheyenne)  zusammenhalten müssen, um gemeinsam gegen die Komantschen bestehen zu können. Die Feindschaft ist dennoch ständiger Begleiter. Und verstärkt sich noch als die Gruppe bei einem Zwischenstopp in einem Fort einen Häfltling mitnehmen muss. Diesem Charles Wills (Ben Foster) wird vorgeworfen, ohne Befehl Indianer abgeschlachtet zu haben. Auch Wills ist ein Bekannter aus Blockers umrühmlicher Vergangenheit als Indianermörder. Gemeinsam nahmen die beiden Männer am Wounded Knee Massaker teil und Wills kann nicht verstehen, warum er jetzt aufgrund der gleichen Taten gehängt werden soll. Mit vielen Opfern erreicht die Gruppe zuletzt ihr Ziel. Doch das ist noch nicht das Ende...


Coopers Odysee durch die Verbrechen der US-Armee gegen die Ureinwohner und dem daraus resultierenden sehr blutigen Verteidigungskampf der Indianer, was auf beiden Seiten zu sehr schwerwiegenden Verbrechen führte, ist Gegenstand dieses epischen Spätwesterns. Die perfekte Kameraarbeit von Masanobu Takayangi lässt den Western hervorragend aussehen. Die Macher hatten mit 39 Millionen Dollar ein recht üppiges Budget, an der Kasse wurden etwas mehr als 40 Millionen Dollar eingespielt. Somit war der Film nicht das erhoffte gute Geschäft. In der Werbung wurde dieser Western als Mischung aus "The Revenant" und "True Grit" angepriesen. Doch Ähnlichkeiten gibt es eher zu John Fords großem Meisterwerk "Der schwarze Falke" - auch dort ist der Hass zwischen Rot und Weiß ein großes Thema. Und die Protagonisten machen auf ihrem Weg eine Veränderung bzw. Läuterung durch. Es gilt den Hass zu überwinden. Nur ist "Hostiles" in seinem Ergebnis ernüchternder. Während Ethan Edwards die Tür aufmacht und vor ihm das Panorama des Wilden Westens erscheint, ist das Schlußbild in Coopers Bild entgegengesetzt. Zwar öffnet Christian Bale auch eine Tür, aber sie führt nicht hinaus, sondern eher in einen inneren Bereich.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

 

Mittwoch, 9. Februar 2022

Wind River (Wind River)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Taylor Sheridan

Die geschändete Indianerin...

Taylor Sheridans Winterthriller "Wind River" bietet grundsätzlich viel Potential und ich liebe Thriller, die im Schnee spielen ("Der Gejagte" von Paul Schrader, "Ein einfacher Plan" von Sam Raimi und vor allem "Fargo" der Coen Brothers), doch der in Cannes prämierte NeoWestern braucht eine gewisse Zeit bis sein spröde Machart sich gut entfalten kann. Dabei hat Sheridan bereits als Drehbuchautor seine Klasse bewiesen, er schrieb die Story von Villeneuves "Sicario" und auch seine zweite Drehbucharbeit "Hell or High Water" war überzeugend. Sie brachte ihm sogar eine Golden Globe und eine Oscarnominierung ein.
Im Vorspann und am Ende des Films weist "Wind River" auf die zahllosen Fälle von sexueller Gewalt gegenüber Frauen in den Indianerreservaten hin, damit steht der Thriller auch in enger Verwandtschaft mit Thrillern, die in der sozialen Unterschicht angesiedelt sind. Courtney Hunt drehte 2008 über einen "Frozen River" und mit Debra Graniks "Winters Bone" schaffte Jennifer Lawrence ihren Durchbruch und der Zuschauer bekam Einblicke in den s.g. amerikanischen "White Scum". Dies verbindet diese Filme auch mit Sheridans Regiedebüt - auch hier könnten die Täter aus der weißen Unterschicht stammen, aber erstmal wird im Indian Reservation ermittelt. Dort herrrscht die absolute Tristesse - jede der dort lebenden Figuren in Wyoming ist gescheitert. Auch der Jäger und Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner), dessen Ehe mit der indigenen Wilma (Julia Jones) gescheitert ist. Vermutlich hat dabei der Tod der Tochter, die ein paar Tage nach einer Feier und einer anschließenden Vergewaltigung tot im Schnee aufgefunden wurde. Der kleine Sohn Casey (Teo Briones) ist öfters bei seinem Papa, doch der hat im Moment den Auftrag Pumas zu töten, die Schafe reißen. Diese Jagd wird aber durch den Fund einer Leiche unterbrochen. Natalie Hanson (Kelsey Asbille), ebenfalls Indianerin und beste Freundin von Corys toter Tochter, liegt im Schnee und wird ausgerechnet von Cory gefunden. Mit der unerfahrenen FBI Agentin Jane Banner (Elisabeth Olsen) bekommt die örtliche Polizei unter der Leitung von Sheriff Ben Shoyo (Graham Greene) Unterstützung. Doch die ist mit den Gepflogenheit der Gegend kaum vertraut, deshalb wird der Fährtenleser Cory von ihr engagiert behilflich zu sein. Der macht dies sehr gerne, weil er Jäger ist und immer noch nach dem Täter seiner Tochter sucht. Die Obduktion ergibt Erfrieren, aber Natalie wurde vorher vergewaltigt. Die Spur führt zuerst zum drogensüchtigen Bruder von Natalie und dessen gefährlichen Blutbrüdern, dann aber verlagert sich der Fall immer mehr ins Lager einer Bohrfirma...

Das ist zwar ganz spannend inszeniert und die Location sorgt für Atmosphäre, aber dennoch irritiert der Film manchmal mit etwas aufgesetzten Passagen: So spendet der eh beladene Cory dem Vater von Natalie, gespielt von Gil Birmingham, väterlichen Trost, was sich sehr nach schön geschriebenem Drehbucheinfall anhört, aber weniger authentisch ist. Der Film hat eine ruhige Machart und sein Thema ist "die Jagd" und wie die Hauptfigur diese Jagd gestaltet. Ein trauriger Held, der sich rächen wird. Nick Caves Soundtrack passt sehr gut zum Film und mit 46 Millionen Dollar Einspielergebnis durfte sich Sheridan freuen.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.