Posts mit dem Label 2016 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2016 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 19. Februar 2022

In a Valley of Violence (In a Valley of Violence)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ti West

Rache für Abbie...

Ich mag eigentlich keine Filme, in deren Handlungsverlauf ein Tier zu Tode kommt. Doch "In a Valley of Violence" von Ti West aus dem Jahr 2016 ist ein guter Genrevertreter und als Tierliebhaber kann ich mich sehr gut mit der Hauptfigur Paul identifizieren, der mit seinem Hund Abbie und dem Pferd Lady auf Wanderschaft ist. Er wird im Laufe der Handlung zum extremen Rächer, denn die treue Hündin Abbie (gespielt von Jumpy) wird von vier Männern getötet, die Paul einen Denkzettel verpassen wollen. Da bleibt Paul nichts anderes übrig als den Tierquälern die gerechte Strafe zu verpassen.
Ti West wurde bekannt durch die Horrorfilme "House of the Devil" und "Cabin Fever 2", vom dem er sich aber distanzierte, weil er mit der Schnittfassung nicht zufrieden war.
"In a Valley of Violence" lief in den USA nur in ausgewählten Kinos. In Deutschland gabs auf dem Filmfest Oldenburg eine Kinoaufführung, ansonsten wurde der Western aber erst durch die Veröffentlichung auf DVD und BluRay einem größeren Publikum zugänglich. An der Besetzung liegt es sicher nicht, denn Ti West, der auch das Drehbuch schrieb, konnte Ethan Hawke und John Travolta als Hauptdarsteller gewinnen.
Ethan Hawke spielt diesen Wanderer, der mit Hund und Pferd unterwegs ist und kein eigentliches Ziel hat. Der Hund Abbie ersetzt dem Eigenbrötler den Kontakt zu anderen Menschen. Als ehemaliger Soldat, so erfährt man immer mehr im verlauf der traurigen Geschichte, hat er viele schreckliche Dinge nicht nur gesehen, sondern war auch aktiv am Töten beteiligt. Er redet mit dem Hund über "seine Cathy", die er schon lange nicht mehr gesehen hat. Irgendwann wird klar, dass es diese Cathy noch gibt, ja sogar ein Kind von Paul hat, aber der Mann war durch seine Erlebnisse nicht mehr in der Lage zu ihr und zur Bürgerlichkeit zurückzukehren. In dem Kaff Denton kommt es auch zu einer schicksalhaften Begegnung mit dem Rüpel Gilly Martin (Martin Ransone), der Paul provoziert und ihn zum Duell bzw. Kampf herausfordert. Das Ganze endet mit einer blutigen Nase des großspurigen Angebers und er lässt sich von seiner Freundin Ellen (Karen Gillan) verarzten. Ellens jüngere Schwester Mary Anne (Taissa Farmiga) findet es total cool, dass endlich mal ein Mann vorbeikam, der dem Großmaul eine Lektion erteilt hat. Doch leider ist Gilly auch der Sohn und Deputy des hiesigen Marshalls Clyde Martin (John Travolta). Der fordert den Mann auf die Stadt zu verlassen und nie mehr wiederzukommen. Das hat Paul auch nicht vor. Aber in der Nacht wird er von Gilly und seinen drei Handlangern überfallen und vor seinen Augen wird Abbie erschossen. Obwohl Paul um das Leben der Hündin bat. Paul selbst wird in einen Abgrund geworfen. Die Täter glauben, dass er genug hat. Sie haben aber nicht damit gerechnet, dass Paul seinen tierischen Begleiter ohne Gnade rächen wird....

Und das ist auch gut so. "In a Valley of Violence" ist eine Art John Wick im Westerngewand und Ethan Hawke wirkt dabei sehr glaubwürdig als ziellos herumreitender Wanderer, der den Kontakt zu den Menschen verloren hat. Die Musik von Jeff Grace ist sehr markant und passt zum Szenario. Als Mädchen, das dem Fremden am Ende hilft ist auch Taissa Farmiga sehr gut besetzt. Taissa ist die Schwester von Vera Farmiga (Conjuring). Natürlich kommt die Rachestory nicht ohne Verweise an frühere Klassiker aus. So schwingt in der Beziehung zwischen Ethan Hawke und John Travolta, der seinen Sohn schützen will auch ein bisschen von John Sturges "Der letzte Zug von Gun Hill" mit, bei dem zwischen zwei ehemaligen Freunden (Kirk Douglas und Anthony Quinn) Feinde werden, weil Douglas seine Frau rächen will, die vom Sohn von Quinn vergewaltigt und ermordet wurde. Neu und innovativ ist aber in Ti Wests Film, dass ein Tier den gleichen Stellenwert in einer Freundschaft einnehmen kann wie ein Mensch. Und das ist doch grundsätzlich eine schöne Idee, weil ich Tiere auch als gleichwertig ansehe.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Donnerstag, 17. Februar 2022

Hell or High Water (Hell or High water)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: David MacKenzie

Der verwegene Plan des Verlierers Toby Howard...

Der britische Regisseur David MacKenzie wandelt mit dem vierfach oscarnominierten Neo-Western "Hell or High Water" (dieses "Hölle oder Hochwasser" meint "auf Teufel komm raus") in den Gefilden des noch jungen Klassikers "No country for old men" der Coen-Brothers. Allerdings ohne geisteskranken Killer, dafür aber mit viel Texas-Flair und viel Eigenständigkeit.
Sehr schnell wird dem Zuschauer klar, dass er hier ebenfalls einen Klassiker des Genres geschaffen hat. MacKenzie ließ sich viel Zeit für die Charakterzeichnung der beiden antagonistischen Paare (ein Brüderpaar, ein Texas Ranger Duo) und lässt auch gleich dazu ein Zustandsbild der ländlichen Bevölkerung in diesen Bibelgürtel-Staaten der USA mit einfliessen. Damit schafft er Bezug zu neueren Filmen wie "Winters Bone" oder "Frozen River", die diese neue Armut im Land der unbegrenzten Möglichkeiten thematsieren. Gleichzeitig werden auch Erinnerungen an John Fords "Früchte des Zorns" und an die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre wach. Auch dort wurden die armen Farmer enteignet, weil sie den Banken keine Raten mehr zahlen konnten für ihre Farm. Und dem von seiner Frau (Marin Ireland) und Kindern (John Paul Howard, Christopher Garcia) getrennten Farmer Toby Howard (Chris Pine) geht es ebenso. Jahrelang hat er seine kranke Mutter gepflegt, nun ist sie tot und er steht vor einem Nichts. Obwohl sich eine ergiebige Ölquelle auf der Farm befindet, muss die Hypothek innert weniger Tage bezahlt werden, ansonsten geht die Farm in den Eigentum der Bank über.
Gemeinsam mit seinem jähzornigen Bruder Tanner (Ben Foster), der erst vor kurzem aus seiner 10jährigen Haft entlassen wurde, weil er seinen brutalen Vater erschoß, hat er mit viel kriminellem Eifer einen Plan erdacht. Möglichst viele kleine Filialen der Bank ausrauben, bei denen Toby verschuldet ist - und dies alles in einer sehr kurzen Zeit erledigen. Das bedeutet für den Zuschauer eine Art Road Movie durch das ländliche Texas, um Banken auszurauben. Im Casino des Nachbarstaates Oklahoma wird das Geld erfolgreich gewaschen. Alles scheint reibungslos zu klappen. Dann aber muss der eigenwillige Texasranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) gemeinsam mit seinem indianisch-mexikanischen Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) den Fall übernehmen. Und der hat ein gutes Gespür, hat treffende Gedanken zum Täterprofil und eigenwillige Methoden. So ist er überzeugt, dass er nur vor einer Filiale dieser Bank warten muss, bis der oder die Täter auch hier ihr Glück versuchen...

In diesem Zusammenhang bietet der Film auch eine jetzt schon legendäre Szene in einem T-Bone Restaurant mit einer verschrobenen Kellnerin (Margaret Bowman) und den beiden sehr unterschiedlichen Texas Rangers an, die Essen bestellen wollen. Überhaupt bezieht der Film sehr viel leisen Humor aus der Beziehung dieser beiden Kollegen - der weiße Hamilton traktiert seinen Partner ständig mit Sprüchen über Indianer, meint es aber liebevoll - was der andere so nicht immer sieht. Aber man merkt, dass die beiden Männer sich dennoch mögen und ein eingespieltes Team sind. Ebenso gut beobachtet ist die Beziehung der beiden unterschiedlichen Brüder - Toby, der stille und denkende Typ und sein zügelloser, aggressiver Bruder, der immer im Hier und Jetzt lebt. Großartig passt auch die Musik von Nick Cave, die ebenfalls eine Oscar-Norminierung verdient hätte - leider wurde sie aber nicht bedacht wie in den Kategorien "Bester Film", Bester Nebendarsteller Jeff Bridges, bester Filmschnitt Jake Roberts und bestes Drehbuch von Taylor Sheridan. Lobenswert aber auch die Kameraarbeit von Giles Nuttgens, der mit seinen eindrucksvollen Bildern das heutige Texas lebendig macht. Gedreht wurde allerdings in New-Mexiko, aber das tut dem sehr guten Film keinen Abbruch. Und Jeff Bridges ist wie immer eine Wucht.


Bewertung: 9 von 10 Punktne.

Samstag, 12. Februar 2022

Die Legende von Ben Hall (The Legend of Ben Hall)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Matthew Holmes

Die Jagd nach dem Bushranger...

Durch diverse Schicksalsschläge wurde aus Ben Hall (1837 bis 1865) in seiner Heimat Australien zum berüchtigten Bushranger. Er und seine Bande waren Gesetzlose, doch beim armen Volk beliebt. Der Grund dafür war, dass er gerne mit den Armen teilte und dafür die Wohlhabenden ausraubte, daher war er für viele eine Art moderner Robin Hood. Der Film "Die Legende des Ben Hall" wurde von Regisseur Matthew Holmes im Jahr 2016 inszeniert und die Macher legten dabei sehr viel Wert auf ein korrekte historische Wiedergabe der Ereignisse und beginnt wenige Jahre vor seinem Tod. Seine Bande hat sich inzwischen weitestgehend aufgelöst und nun ist nur noch der alte James Gordon (Andy McPhee) mit ihm auf der Flucht. Immer müssen sie mit dem Zugriff des Gesetzes rechnen, denn Ben Hall (Jack Martin) wird gejagt. Aber er bekommt auch von vielen Freunden Unterschlupf. Manchmal taucht er bei den rechtschaffenen Eheleuten Mick (Adam Wilson) und Mary Ann Conelly (Erica Field) auf, die ihm verstecken und Kost und Logis anbieten. Viel gefährlicher für Ben ist es bei seiner Exfrau Biddy (Joana Dobin) aufzutauchen, die einen inzwischen einen Anderen hat. Doch die Sehnsucht zu seinem kleinen Jungen treibt ihn immer mal wieder dorthin. Dann trennt er sich von seinem alten Bandenmitglied und reitet vorläuftg alleine weiter. Im Laufe der Geschichte nimmt aber sein ehemaliger Kumpane, der temperamentvolle John Gilbert (Jamie Coffa) wieder Kontakt mit ihm auf. Bald reiten sie auch zu dritt, denn auch der sehr junge John Dunn (William Lee) will mit Ben reiten. Zu dritt gelingen ihnen wieder bessere Raubzüge. Bei einem der Raubzüge kommt es allerdings zu einer katastrophe, denn John wird von einem Constabler attackiert, es fällt ein Schuß. Somit hat die Bande zum ersten Mal getötet. Dies verstärkt natürlich die Polizei die Bande verstärkt zu jagen. Das Ende ist vorgezeichnet, aber dem Moment als sich die Belohnung für die Ergreifung der Banditen auf 3.000 Dollar erhöht...


Ben Hall wird verraten und stirbt von 30 Gewehrschüssen durchsiebt, dabei hat der Bandit trotz seines Gangsterlebens als gesuchter und gefürchteter Bushranger nie einen Menschen selbst getötet und bei seinem Ende gab er keinen einzigen Schuß ab. Der Film hat einen epischen Touch und dauert ca. 140 Minuten. Durch die guten Schauspielerleistungen von Jack Martin, Jamie Coffa und William Bell ist der Film sehr zu empfehlen. Bei den Australian Screen Industry Network Awards heimste der Western 6 Preise ein, darunter für den Regisseur Matthew Holmes, der auch das Drehbuch seines ehrgeizigen Projekts verfasst.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.