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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Die Ballade von Buster Scruggs (The Ballad of Buster Scruggs)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joel and Ethan Coen

Es war einmal im Wilden Westen....

Bereits mit dem Remake von "True Grit" bewiesen die Brüder Joel und Ethan Coen eindrucksvoll, dass sie auch gute Western inszenieren können. Auch ihr oscarprämierter "No Country for old men" beinhaltet viele Elemente des Genres und darf zu Recht zu den besten Neowestern überhaupt gezählt werden. Zoe
Der 2016 gedrehte "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein Netflix Film und erzählt in 6 Episoden Geschichten aus dem Wilden Westen. Die Musik schrieb Carter Burwell und als Kameramann war der Franzose Bruno Debonnel tätig, der sich bereits über sechs Oscarnomierungen ("Fabelhafte Welt der Amelie", "Mathilde", "Inside Llewyn Davis", "Harry Potter und der Halbblutprinz", "Die dunkelste Stunde" und "Macbeth") freuen konnte und auch hier zur Höchstform aufläuft. Leider wurde er diesmal bei den Oscars übergangen - dennoch brachte es "Buster Scruggs" auf drei Nominierungen - für das beste Drehbuch, für die Kostüme und auch der Filmsong "When a cowboy trades his spurs for Wings" wurde berücksichtigt. Am Ende ging der Film jedoch leer aus.
Die einzelnen Episoden sind alle sehr unterschiedlich, aber ausnahmslos gut gelungen.
Der Film beginnt mit "The Ballad of Buster Scruggs" - Tim Blake Nelson spielt den singenden Revolverhelden, keiner ist so flink wie er mit dem Colt. Aber es kommt immer irgendwann einer daher, der noch schneller ist. Es folgt "Near Algodones" - die Geschichte über einen glücklosen Bankräuber (James Franco), der erhängt werden soll. Doch in der letzten Sekunde kann er dem Galgenstrick entkommen, da Indianer angreifen. Doch das ist noch nicht das Ende dieser tragischen Geschichte. "Meal Ticket" ist eine melancholische und skurrile Story über einen fahrenden Impressario (Liam Neeson), der mit seinem Theaterwagen den wilden Westen bereist und den neugierigen Zuschauern seine Attraktion, einen Mann ohne Arme und Beine (Harry Melling) Geschichten erzählen lässt. Doch dann hört er von einem Konkurrenten, der mit einem sehr klugen Huhn mehr Geld macht als er selbst. In der 4. Episode ist Tom Waits als Goldsucher zu sehen, der in einem verlassenen Tal nach Gold. Die Mühe lohnt sich irgendwann, doch ein mieser Bandit hat ihn schon beobachtet. In dem Moment, als er die Goldader freilegt, fällt ein Schuß.
Es folgt eine Geschichte über einen Siedlertreck nach Oregon. Unter ihnen sind die Geschwister Gilbert (Jeffrey Mayes) und Alice Longabaugh (Zoe Kazan) sowie Gilberts ständig bellender Hund. Unterwegs verstirbt Gilbert plötzlich und Alice ist überfordert, weil bisher immer der Bruder alles regelte. Zum Glück sind die Treckführer Mr. Arthur (Grainger Haines) und Mr. Knapp (Billy Heck) in dieser Situation eine große Hilfe. Der Episodenreigen wird mit dem makabren "The Mortal Reimains" beendet. Die Geschichte findet in einer Kutsche mit fnf Insassen statt. Ein Engländer (Jonio O´Neill), ein Ire (Brendan Gleeson), ein Französe (Saul Rubinek), ein Trapper (Chelcie Ross) und die vornehme Lady Betjemen (Tyne Daly). Die Fahrt erweist sich immer mehr als Reise ins Jenseits...


Die sechs Geschichten passen vorzüglich zueinander und jeder dieser Episoden hinterlässt irgendwie einen bleibenden Eindruck. Vor allem weil sie völlig ohne die üblichen Westernzutaten auskommen und einen ganz persönlichen Coen Touch ausstrahlen. Am besten hat mir "The Gal who got rattled" gefallen, diese Geschichte über den Oregan Trail. Wobei sicherlich jede dieser Sequenzen seine Liebhaber finden wird. "The Ballad of Buster Scruggs" ist ein großartiges Westernkaleidoskop, dass sehr viel Spass macht.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Dienstag, 15. Februar 2022

The Sisters Brothers (The Sisters Brothers)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jacques Audiard

Eine etwas andere Geschichte aus dem Wilden Westen...

Der 1952 in Paris geborene Regisseur Jacques Audiard ist aufgrund seiner Genrefilme "Lippenbekenntnisse", "Der wilde Schlag meines Herzens" oder "Ein Prophet" " einer der interessantesten Filmemacher unseres Nachbarlandes. Mit "The Sisters Brothers" inszenierte er seinen ersten Western, der natürlich eine sehr egozentrische Machart aufweist. "The Sisters Brothers" war mit vier Cesars einer der Gewinner bei der Verleihung des französischen Filmpreises 2019. Audiard bekam den Regiepreis, sein Kamera-Mann Benoit Debie wurde ebenfalls ausgezeichnet. Ausserdem der Ausstatter Michel Barthelemy und die Toningenieure Brigitte Tailandier, Valerie de Loof und Cyril Holts. Von den insgesamt 9 Nominierungen ging allerdings das Schausspieler-Quartett John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal und Riz Ahmed komplett leer aus. Dabei präseniteren vor allem Reilly und Phoenix in Höchstform. Leider spielte der Western nur 13 Millionen Dollar ein, was bei einem Budget von 38 Millonen Dollar eine echte Katastrophe an der Kinokasse war.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patrick de Witt und die Zuschauer machen Bekanntschaft mit dem berüchtigten Killer-Brüderpaar Eli (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix), die für einen fiesen Geschäftsmann, den man den Commodore (Rutger Hauer) nennt, Auftragsmorde und andere Drecksarbeiten übernehmen. Dabei sind die Brüder äusserst unterschiedlich. Der ältere Eli macht den Eindruck, dass ihn sein Job gar nicht so recht begeistert, der jüngere Charlie ist da viel engagierter bei der Sache. Für den neuen Auftrag arbeiten sie mit dem Verbindungsmann John Morris (Jake Gyllenhaal) zusammen, der widerum Kontakt mit einem gewissen Herman Kermit Warm (Riz Ahmed) aufnehmen muss. Der hat ihn auch in einem Siedlertreck Richtung Kalifornien entdeckt. In Jacksonville soll er sich dann mit den Sisters treffen. Die sind dann fürs Grobe zuständig. Der Auftrag lautet "Foltern, bis er eine chemische Formel verrät" und die hat es in sich. Mit dieser Formel scheint es möglich zu sein Gold mit Hilfe dieser chemischen Flüssigkeit im Fluß leuchten zu lassen. Der Besitzer einer solchen Zauberformel hat damit den entscheidenden Vorteil gegenüber den vielen anderen Goldsuchern. Doch bevor sich die vier überhaupt treffen, leidet Eli durch einen Spinnenbiß und in Mayfield machen die Brüder Bekanntschaft mit der gleichnamigen Besitzerin des Spielsaloons (Rebecca Roth)...

Audiards Western ist eine Art Abgesang - und ist natürlich sehr melancholisch. In einer Szene baden die Männer ausgelassen in dem See, wo sie einige Tage später dann Gold suchen und auch überraschend ihr weiteres Schicksal besiegeln. Zwischen den tragischen Ereignissen und einigen typischen Westernhandlungsabläufen gibts auch genügend Gespräche zwischen den Brüdern und irgendwann auch zu Viert. Langsam kristallisieren sich die Charaktere viel tiefer heraus. Audiard hat sich Zeit dafür gelassen, am Ende wirkt alles sehr präzise und die Eroberung des Wilden Westens erscheint nüchtern und überhaupt nicht verklärt. Als Mutter der beiden Brüder ist am Ende des Films Carol Kane zu sehen, die in den 70er Jahren bekannt war und für "Hester Street" sogar eine Oscar-Nominierung erringen konnte.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.