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Montag, 28. Februar 2022

The Revenant (The Revenant)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu

Die Legende von Hugh Glass...

Der mexikanische Filmregisseur Alejandro Gonzales Inaritu hat bisher 6 Kinofilme gemacht und alle seine Filme waren bisher sehr gut. Drei davon kann man sogar als echte Meisterwerke bezeichnen, nach "Amores Perros" und "Babel" gelang ihm nun mit dem Trapperfilm "The Revenant" ein drittes Filmjuwel. So richtig einordnen in seine bisherige Filmographie lässt sich diese epische Version von Sidney Pollacks "Jeremiah Johnson" zwar nicht, denn er betrat ganz neue Pfade. Dennoch blieb er der episch ausufernden Form treu und gestaltete seinen mystischen Rachewestern opulent und bildgewaltig wie Costners "Der mit dem Wolf tanzt". Ein echter Könner wie der Japaner Ryuiche Sakamoto war für die Musik verantwortlich und mit dem dreifachen Oscarpreisträger und Kameramann Emmanuel Lubetzi (Sleepy Hollow, Tree of Life, Gravity, Birdmann) konnte auch nichts in Sachen grandios gestalteter Kinobilder schiefgehen. Erzählt wird in freier Form die Lebensgeschichte des Trappers Hugh Glass, dessen Abenteuer vielfach überliefertn und von Legenden umrankt wird. Er soll einen Grizzlybärangriff in den Rocky Mountains überlebt haben und dieser Kampf ist einer der markantesten Szenen des Films. Die damaligen Erlebnisse wurden noch zu seinen Lebzeiten in unterschiedlichsten Varianten berichtet und veröffentlicht, nach seinem Tod wurde die Mythenbildung fortgesetzt, obwohl irgendwann kaum noch zuverlässige Quellen dafür existierten. Im Jahr 1954 schrieb der US-amerikanische Autor Frederick Manfred einen Roman über den Mann der Berge mit dem Namen "Lord Grizzly". Richard C. Sarafian drehte 1971 erstmalig einen Film über Glass, darin verkörperte Richard Harris "Ein Mann in der Wildnis". 2002 erschien von Michael Punke ein weiterer Roman "Der Totgeglaubte -Eine wahre Geschichte", der nun von Inarritu erfolgreich verfilmt wurde - insgesamt 12 Nominierungen für den Oscar konnte der Film auf sich vereinigen, am Ende war "The Revenant" in drei dieser Kategorien Sieger. Inarritu bekam nach "Birdman" seinen zweiten Oscar, Kameramann Lubezki gewann seinen dritten Academy Award und endlich klappte es auch für den Hauptdarsteller Leonardo di Caprio nach vier vergeblichen Anläufen als bester Schauspieler.
Der Film setzt auf starke Bilder, auch rohe ungeschönte Gewalt und auf viel Mythologie. Der Trapper Hugh Glass (Leonardo di Caprio) trauert immer noch um seine indianische Frau, eine Pawnee (Grace Dove). Das einzige was ihm bliebt ist sein Sohn Hawk (Forrest Goodluck). Die beiden sind Mitglieder einer Expedition der Rocky Mountain Fur Company, die in der Wildnis von North und South Dakota auf der Jagd sind und möglichst viele Felle erbeuten sollen. Urplötzlich wird die Gruppe von einer Gruppe Ree, die auf dem Kriegspfad sind, angegriffen. Der Kampf wird zum richtigen Massaker, viele Pelzjäger sterben. Unter schweren Verlusten treten die Männer ihre Flucht mit einem Boot an, doch die Indianer sind ihnen auf den Fersen, da der Häuptling Elk Dog (Duane Howard) seine von weißen Männern verschleppte Tochter Powaqa (Melaw Nakehk´o) sucht. Die Flüchtenden müssen sich zu Fuß durchschlagen. Auf einem Erkundungsgang gerät Glass zwischen eine Grizzlybärin und ihre Jungen. Er wird sofort angegriffen und durch den Kampf schwer verwundet. Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) hat aber mit dem Verletzten keine Chance, dass seine Männer lebend wieder zum Fort zurückkommen, da der Weg durchs Gebirge führt. Er entscheidet, dass der ehemalige Outlaw John Fitzgerald (Tom Hardy), der junge Jim Bridger (Will Poulter) und natürlich Hawk beim sehr bald sterbenden Glass zurückbleiben sollen und sobald er stirbt ihm ein Begräbnis zukommen zu lassen. Doch es kommt anders: Fitzgerald denkt gar nicht daran beim schwerverletzten Glass zu bleiben und hat einen fiesen Plan geschmiedet, mit schwerwiegenden Folgen. Allein bleibt Glass liegen, doch er kann alle Kräfte mobilisieren und setzt sich mehr auf dem Boden liegend als laufend in Bewegung...

Immer mehr nimmt die Rachestory den Hauptplatz des Geschehens ein, dabei taucht  ein Pawnee-Indianer namens Hikuc (Arthur RedCloud) auf, der eine gewisse Heilung der Verletzungen bewirken kann. Immer wieder gleitet der Film in die Traumwelt von Glass ab, dort begegnet ihm immer wieder seine tote Frau oder er sieht Bilder der Vergangenheit als sein Sohn noch sehr klein war. "The Revenant" ist somit ein Pendler zwischen den beiden verfeindeten Kulturen und oft muss er seinen hitzköpfigen Sohn beschwichtigen die Ruhe zu bewahren, was die Männer in der Gruppe über die Rothäute sagen. Für seine Geschichte wählte der mexikanische Meisterregisseur drastische und brutale Bilder, die die elegische Atmosphäre immer wieder durchbricht. Dies ist die große Strärke des großen Films, der sicherlich zu den besten Filmen des Jahres gezählt werden muss. Domiant ist der Instinkt des Mannes, der am Leben bleiben will und alles dafür tut, auch mal rohe Bisonleber essen oder in einem Tierkadaver übernachten, damit er nicht erfriert. Rache ist eine seiner Triebfedern, er hofft auf eine Erlösung. Leonardo di Caprio spielt wirklich klasse, es ist meines Erachtens tatsächlich seine bislang beste Darstellung seiner karriere.


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

The Hateful Eight (The Hateful Eight)


Regie: Quentin Tarantino

Was wirklich in Minnies Kurzwarenladen geschah...

Es wurde noch gar nicht gebührend vermerkt, aber das Filmjahr 2016 scheint große Western hervorzubringen: Nach dem wuchtigen Trapperfilm "The Revenant" von Alejandro Gonzalez Inarritu und dem fiesen Schlachterwestern "Bone Tomahawk" von S. Craig Zahler kann auch Quentin Tarantino seinen zweiten Western in Folge präsentieren. Und "The Hateful Eight" ist um soviel anders als "Django Unchained", seine vielberühmte Spaghetti-Westen Hommage aus dem Jahr 2012. Der US-Autorenfilmer scheint sich mit seinem neuen Werk wieder an seine ursprünglichen Stärken zurückzuerinnern und verzichtet auf das Zusammenfügen großer Filmzitate und Liebeserklärungen auf das Kino von Gestern. "The Hateful Eight" erinnert irgendwie an die Dialoglastigkeit seines erstes Riesenerfolgs "Reservoir Dogs", der auch nur einen begrenzten Handlungsort zur Verfügung stellte. Und so wird "Minnies Kurzwarenladen", eine Herberge irgendwo in der Wildnis von Wyoming, zum Hauptort der Handlung. Hier laufen die Fäden der Geschichte zusammen und hier kommt es auch zum ultimativen brutalen Höhepunkt der Story. Einige Kritiker haben Tarantino natürlich angelastet, dass er statt großer Landschaftsbilder, die gute Spätwestern auszeichnen, weitestgehend verzichtet und stattdessen den Focus auf eine kammerspielartige, theaterhafte Inszenierung im warmem Zufluchtsort legt, während draussen ein fieser Schneesturm tobt. Der Film spielt einige Jahre nach dem Sezessionskrieg und in bei Minnie Mink (Dana Gurier) treffen acht hasserfüllte Charaktere aufeinander. Denn dort kommt schon die zweite Postkutsche an. Der Kutscher O.B. Jackson (James Park) soll den gut zahlenden Fahrgast John Ruth (Kurt Russell), genannt "Der Henker" und seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) nach Red Rock bringen, dort kassiert Kopfgeldjäger Ruth 10.000 Dollar für die steckbrieflich gesuchte Frau. Er musste aber auf der Fahrt durch die winterliche Landschaft zwei Männer in der Kutsche mitfahren lassen. Der erste...so ein Zufall...ist ebenfalls ein gefürchteter Kopfgeldjäger. Dieser Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) hat drei tote Banditen bei sich für die er in Red Rock ebenfalls 8.000 Dollar kassieren kann. Doch es herrscht sehr viel Verkehr in dieser einsamen Winterlandschaft. Ein gewisser Chris Mannix (Walton Goggins) behauptet sein Pferd verloren zu haben und ausserdem wäre er der neue Sheriff von Red Rock. So kommen sie zu fünft endlich zur Herberge. Zu Warrens Überraschung ist Minnie gar nicht da und scheint ihre Herberge einem Mexikaner (Demian Bichir) während ihrer einwöchigen Abwesenheit überlassen zu haben. In der Herberge sind weitere Gäste. Ein alter schweigsamer Konföderirtengeneral Sanford Smith (Bruce Dern), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der Brite Oswaldo Mobary (Tim Roth), der behauptet, dass er als Henker in Red Rock gebraucht wird. Keine Frage, hier hat sich mit den acht Hauptfiguren ein illustres Pulverfass versammelt und erst langsam durchschaut der Zuschauer den doppelten Boden in diesem Raum...

Natrülich darf man mal wieder den sehr unkonventionellen Inszernierungsstil von Tarantino bewundern, der in diesem fast dreistündigen Western nach dem Höhepunkt und Showdown noch eine Rückblende auf die Ereignisse präsentiert, ehe die Geschichte komplett erzählt wurde. Er kann sich wie immer auf ein herrlich aufgelegtes Schauspieler-Ensemble verlassen. In kleineren Rollen sind auch Channing Tatum und Zoe Bell zu sehen. Die besten Szenen haben Kurt Russell und Samuel L. Jackson bekommen. Aber auch die Figur, die Walton Goggins spielt, bekommt iimmer mehr Profil im Laufe der Geschichte. Der Schlagabtausch in Form von interessanten Dialogen ist natürlich sehr Tarantino typisch und an manchen Stellen wieder genial. Von einigen Kriikern wurde der Film als geschwätzig bezeichnet, manche fanden diesen Western auch sperrig. Der Einwand mit der Geschwätzigkeit muss man wohl so stehen lassen, aber genau dies war auch ein positiver Faktor seiner Meisterwerke "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction" oder "Jackie Brown". Hier ist wieder mehr darin zu finden als in "Django Unchained" oder "Inglorious Basterds". Sperrig finde ich den Film aber überhaupt nicht. Er ist als Western sogar um einiges eingeständiger als sein Vorgänger und er kann trotz der Kammerspielinzenierung bis zum Schluß gekonnt die Spannung aufrechterhalten. Die Figuren sind halt wie immer markant gezeichnet und man interessiert sich für sie. Bei der Oscarverleihung konnte Enno Morricone den Oscar für die beste Filmmusik erhalten. Ausserdem hört man auch einen Song von Roy Orbison im Abspann. Nominiert wurden auch Nebendarstellerin Jennifer Jason Leigh und Kameramann Robert Richardson.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

 

Mittwoch, 16. Februar 2022

Slow West (Slow West)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John McLean

Der dumme Junge und der Wilde Westen...

Der britisch-neuseeländische Western "Slow West" erfindet natürlich das Genre nicht neu, aber es gelingt diesem Film von John McLean durch die sehr edle Machart zu überzeugen und in die Tradition interessanter und ungewöhnlicher Genreperlen aufzusteigen. Erinnert hat mich der Neowestern vor allem auch an den völlig unterbewerteten und leider auch in Vergessenheit geratenen 70er Jahre Spätwestern "Begrabt die Wölfe in der Schlucht" von Ted Kotcheff mit dem ebenfalls ungleichen Duo Gregory Peck und Desi Arnaz jr. Nur werden sie dort von den Gesetzeshütern gejagt, in "Slow West" sind Michael Fassbender und Kodi Smit-McPhee die Suchenden. Allerdings ist es ebenfalls eine Geschichte von Jäger und Gejagten.
Dabei empfinde ich gerade die Figur, die Kodi Smit-McPhee spielt, die interessanteste in der Geschichte. Er ist der 16jährige schottischer Adlige Jay Cavendish, der aus seiner Heimat in eine vermeintlich neue Welt gereist ist. Dort in der Weite von Colorado ist der Junge auf der Suche nach seiner großen Liebe Rose (Caren Pistorius), die kurz vor ihm mit ihrem Vater (Rory McCann) das Heimatland verlassen musste. Im Laufe der Geschichte wird durch Rückblenden auch klar warum. Rose war zwar immer geschmeichelt von den Avancen ihres jungen Verehrers, aber so ganz ernst hat sie ihn nie genommen. Sie nannte ihn "Dummer Junge" und genauso wie ein Narr wandert Jay nun mit grenzenlosem Ehrgeiz durch das Wilde Land. Es ist die Zeit des Bürgerkriegs. Und immer wieder hat er mehr Glück als Verstand, dass er überlebt. Als ihn einige Deserteure überfallen, bekommt er überraschende Hilfe des wortkargen Outlaws Silas (Michael Fassbender), der zur rechten Zeit am rechten Ort auftaucht um ihm das junge Leben zu retten. Jay erkennt, dass er auf der Suche nach Rose, mehr braucht als seinen Kompass, sein Handbuch für Reisende und seine Poesie. So wird Silas für 100 Dollar sein Begleiter werden.
Doch die beiden sind sehr verschieden, so dass es auf ihrer gemeinsamen Reise auch immer wieder zu Spannungen kommt. Jay versucht sich zu trennen und trifft auf den Anthropologen Werner (Andrew Robertt), der an einer Chronik über die Ausrottung der Indianer schreibt, aber von dem Jay auch mies betrogen wird. Silas muss den Jungen retten. In einem Handelsposten braucht Jay sein Gewehr, der Zuschauer sieht draußen den Steckbrief von Rose und ihrem Vater hängen. Ein Kopfgeld von 2.000 Dollar gibt es - tot oder lebendig. Dies weiß Silas, der - genauso wie eine üble Kopfgeldtruppe unter der Führung von Payne (Ben Mendelsohn) und ein weiterer Killer namens Victor (Edwin Wright) - hinter den beiden Gesuchten her ist. Und der unwissende Jay führt die Killer ohne Wissen direkt zu seiner Rose...

Dabei spielt der britische Regisseur sicherlich mit diesen gängigen und liebgewonnenen Mechanismen des Genres. Er greift immer wieder die Versatzstücke der Klassiker auf und fügt der Geschichte - zum Glück - lockeren Witz und Ironie mit bei. Daher erscheint "Slow West" durchgehend als kleine faszinierende Odyssee durch den Wilden Westen mit gut getimten Erzählrhythmus. Schade eigentlich, dass der Film nur kurze 84 Minuten dauert. Das Finale gestaltet er von ruhiger Hand mit einer klasse Präzision. Wenn dann vor der Hütte mitten im weiten Kornfeld der falsche Reverend mit der Flinte zum Todesschuß anlegt, ist das ultimative Westernfeeling perfekt erreicht. Der Schluß ist bleihaltig und zeigt schonungslos und brutal in diversen Einstellungen die vielen blutigen Opfer der Geschichte. Während der erste Teil noch eine schöne atmosphärische Road Movie Dramaturgie wählt, ist der Stimmungswechsel ab der Mitte bereits angelegt. Das Finale setzt dann konsequent auf düstere Traurigkeit und einmal mehr muß Rose feststellen, wie sehr der "dumme Junge" sie liebte.  "Unter jedem Stein wird ein Desperado hervorkriechen und dir ein Messer ins Herz stechen, so lange ein Dollar dabei herausspringt" wird Outlaw Silas in einem Satz das Leben im Wilden Westen zusammenfassen.
Macleans kleiner, brillant besetzter Film zeigt mit melancholischer Geste, wie der Westen höchstwahrscheinlich wirklich war: Viele europäische Einwanderer kamen, um ihr Glück zu finden; die meisten litten unter bitterer Armut und wurden wunderlich, verrückt, kriminell. Oder sie starben einfach, durch Pech und Kugeln, die damals wie heute sehr locker in den Pistolen saßen. Wer überlebte, musste Ruchlosigkeit lernen, wie Rose, die süße Angebetete, die sich als kaltblütige Schützin erweist.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 15. Februar 2022

Bone Tomahawk (Bone Tomahawk)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: S. Craig Zahler

Im Gebiet der Troglodyten...

Es kommt relativ selten vor, dass der klassische Western mit einem weiteren Genre vermischt wird. Es passt auch nicht immer, wie Jon Favreaus eher enttäuschendes Western-Science Fiction Spektakel aus dem Jahr 2011 bewies. Schon eher lassen sich Horrorelemente in den Wilden Westen beimischen, was schon bei "Ravenous" (1999, Regie: Antonia Bird) oder "Burrowers" (2008, J.T.Petty) doch ganz gut funktionierte. Mit "Bone Tomahawk" von S.Craig Zahler präsentierte sich ein weiterer Genre-Jumper, der in der ersten Hälfte auf einen sehr langsamen Erzählryhthmus setzt, wo die eigentliche Geschichte - eine Suche nach Vermissten im feindlichen Indianerland - ausgesetzt wird und stattdessen das suchende Männerquartett, ein teilweise archetypischer Haufen, näher vorgestellt wird. Es wird auf dieser Reise sehr viel erzählt, denn die Männer kommen nur mühsam voran: Kein Wunder, den Arthur O´Dwyer (Patrick Wilson) hat ein gebrochenes Bein und der Hilfssheriff Chicory (Richard Jenkins) sollte eigentlich schon aufgrund seines Alters Rentner sein. Immerhin komplettieren John Brooder (Matthew Fox), ein Veteran der Indianerkriege, und Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell) die Reisegruppe. Alle Männer stammen aus dem Kaff Bright Hope. Eigentlich hätte das Örtchen in Ruhe und Frieden weiterexistiert, wenn nicht der Landstreicher Purvis (David Arquette) dort aufgetaucht wäre. Dem Sheriff ist der Fremde schnell unangenehm aufgefallen, daher hat er ihm ins Bein geschossen und ins Gefängnis verfrachtet. Dort sollte Arthurs junge Ehefrau Samantha (Lili Simmons), eine Ärztin, die Kugel entfernen. Doch sie wird noch in der Nacht mit dem Gefangenen und Deputy Nick (Evan Jonigkeit) entführt. Der Zuschauer hat in der ersten Szene gesehen, dass Purvis mit seinem Kumpan Buddy (Sid Haig) - nachdem sie einige Siedler brutal gemeuchelt haben - selbst in tödliche Gefahr gekommen sind. Sie schändeten eine Grabstätte der Troglodyten, einem Stamm von Kannibalen, der in den Bergen lebt und nur Purvis konnte in die Stadt fliehen, nach Bright Hope. Die Kannibalen sind über Nacht dort aber eingefallen, erschlagen einen Stallburschen, rauben Pferde und entführen die drei Menschen. Ein indianischer Fährtensucher (Zahn McClarnon) klärt die Bürger auf, dass mit diesem indianischen Kannibalenstamm nicht zu spaßen sei und die Wahrscheinlichkeit lebend aus diesem Gebiet wieder heimzukehren sei äusserst gering. Daher wollen sich nur wenige Einwohner des kleinen Städtchens dem Rettungstrupp anschließen. Lediglich die vier Männer machen sich auf den Weg in die Hölle...


Die Geschichte von Entführten und den Suchenden ist im Western natürlich auch nicht neu. Berühmtestes Beispiel ist da wahrscheinlich John Fords "Der schwarze Falke", der eine ähnliche Geschichte - nur ganz anders - präsentierte. Vielleicht steht Fords anderer und thematisch verwandter "Zwei ritten zusammen" dem Film von S. Craig Zahler näher, da auch dort der Regisseur den beiden Hauptdarstellern Richard Widmark und James Stewart auch ne Menge Gelegenheit gibt viele Männergespräche, angereichert mit Westernlatein, am Lagerfeuer zu führen. Auch diese beiden Westerner sind auf der Suche nach Weißen im Indianergebiet. Mit einer Laufzeit von ca. 132 Minuten ist der Film vielleicht ein bisschen zu lang geraten, denn die erste Stunde hat nicht viel Action zu bieten. Erst nach etwa 70 Minuten nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Das ziemlich langsam voranschreitenden Tempo des Western wird mit dann mit einer meisterhaften Spannung angereichert. Diese entlädt sich im Gebiet der Kannibalen und kommt zwar selten, aber wenn dann wie ein Beil aus dem Nichts geflogen. Die brutalen Szenen sind nichts für schwache Nerven. Aber alle Gewaltausbrüche und Schusswechsel, die dann beim Showdown gezeigt werden, wirken ungeheuer intensiv auf den Zuschauer. Erwähenswert auch das sehr gute Ensemble, angeführt von Kurt Russel, dem nun mit "Bone Tomahawk" und "The Hateful Eight" noch einmal ein Comeback - im Westerngenre - gelingt. Die Welt von "Bone Tomahawk" ist unbarmherzig. Der Weg ins Gebiet der Kannibalen, eine Art Odyssee, wird enorm strapaziös geschildert. Man hat nicht unbedingt das Gefühl, dass diesem unterschiedlichen Männerquartett dort der große Erfolg beschieden sein wird. Vor allem weil sie es mit einem archaischen und brutalst agierenden Gegner zu tun bekommen werden. "Bone Tomahawk" wird sicherlich nicht jedem Zuschauer gefallen. Denn dazu ist die Exposition zu lange - das Actionpublikum wird auch diese dialoglastigen und ruhigen Szenen nicht verstehen und äusserst langweilig finden. Möglicherweise werden sie sich schon ausgeklingt haben, wenn dann diese schlammverkrustete Sippe auftaucht, die mit kehligen Klängen miteinander kommunizieren und wenn es dann richtig zur Sache geht. Dies ändert aber nichts an der Qualität dieses etwas spröden Films. Wie zu erwarten ist natürlich vor allem auch Kurt Russell wunderbar in seiner Rolle als sensibler und doch knallharter Sheriff, er strahlt bis zum bitteren Schluß Integrität und Güte aus. "Bone Tomahawk" hat auf alle Fälle das Potential zu einem Kultfilm.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.