Montag, 1. Juni 2026

Vier Vögel am Galgen


Regie: Richard Fleischer

Ausbildung zum Banditen...
 
Richard Fleischers 1974 entstandener Western "The Spikes Gang" lief in Deutschland unter dem Filmtitel "Vier Vögel am Galgen" und damit sind ein grimmiger Schurke und drei Youngsters gemeint, die am Anfang des Films dem Banditen das Leben retten. Der Mann ist auf der Flucht und schwer verletzt als sie ihn im Feld finden. Sie pflegen ihn und verstecken den Mann in der Scheune auf der Farm von Abel Young (Marc Smith), dem Vater von Wilson (Gary Grimes). Seine Freunde Tod Hayhew (Charles Martin Smith) und Les Richter (Ron Howard) sind unschuldige Jungs, die bereits von klein auf nur gearbeitet haben. Doch die drei Halbstarken sind in einem Alter, in dem sie das Abenteuer suchen.
Obwohl der verletzte Mann (Lee Marvin) ihnen gesteht, dass er der gesuchte Bankräuber Harry Spikes ist, verraten sie ihn nicht an den Sheriff, der mit einer Bürgerwehr auf der Suche ist und auch an Youngs Farm vorbeikommt.
Als Spikes fit genug ist, verlässt er seinen Unterschlupf und bekommt von Wilson sogar dessen Pferd geschenkt. Dies wird vom Vater entdeckt, der seinen Sohn daraufhin für seine Sünde züchtigt.
Nun hat Wilson genug und er entschließt sich mitten in der Nacht fortzureiten, um das Leben kennenzulernen. Dabei verabschiedet er sich von seinen zwei besten Freunden, die ihm aber nachfolgen.
Doch die Freiheit ohne Geld ist kein Zuckerschlecken und bald bekommen die Jungs Hunger. Aber sie bekommen keine Arbeit auf anderen Farmen, um etwas zu verdienen. Im Gegenteil: Man jagt sie als Herumtreiber fort. Als sie in einer Stadt ankommen, werden sie vom Sheriff sofort angewiesen innert von 5 Minuten zu verschwinden. Dies erzeugt so viel Wut, dass die bislang guten und rechtschaffenen Jungs ganz spontan in eine Bank stürmen und Geld fordern. Natürlich geht der erste Überfall total in die Hose. Tod erschießt sogar einen Mann, wobei dies mehr ein tragischer Unfall darstellt. Doch ab jetzt sind sie Outlaws, die man per Steckbrief sucht. In Mexiko tauchen sie unter und dort kommt es auch zu einem Wiedersehen mit dem grimmigen Spike, der die drei jungen Männer unter seine Fittiche nimmt und sie zu Verbrechern ausbildet...

Natürlich lernen die drei Jungs sehr schnell das harte Geschäft als Bandit kennen. Man ist ständig auf der Flucht. Das Mißtrauen gegenüber Anderen ist allseits präsent und man darf nie Erbarmen mit seinem Gegner haben. Auch verletzte Kollegen muss man liegen lassen, denn sie behindern die Flucht. Dabei kann man Richard Fleischers Story mit "Dumm gelaufen" umschreiben, denn mehr oder weniger rein zufällig geraten die drei Jungen an einen charismatischen Schurken, der sie auf die schiefe Bahn lockt. Mit Gary Grimes, Ron Howard und Charles Martin Smith sind drei überzeugende Jungschauspieler engagiert worden, die immer mehr in den Abgrund schlittern. Am Ende steht natürlich der Tod, der sich ab dem Zeitpunkt des ersten Opfers schon als Mitreisender dazugesellt hat. Er schlägt dann auch gnadenlos zu und es ist auch nicht mehr möglich dieses Fiasko zu beenden. Lee Marvin ist eigentlich immer ein guter Schurke. Ein Gangster, der den Jungs zwar Unterricht im Erschießen gibt, aber dennoch keinen Zweifel offen lässt, dass der Zusammenschluß als Gang ganz viele fiese Tücken hat.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Greenhorn


Regie: Dick Richards

Culpeppers Viehherde...

Der US-Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor Dick Richards erhielt als Produzent für Sidney Pollacks Film "Tootsie" im Jahr 1983 eine Oscarnominierung. Seine bekanntesten Regiearbeiten sind "Fahr zur Hölle, Liebling", "Marschier oder stirb" und "Heat" - sein Regiedebüt gab er mit dem sehr stimmungsvollen Western "The Culpepper Cattle Co." im Jahr 1972, der in Deutschland unter dem Titel "Greenhorn" eher bekannt sein dürfte. "The Culpepper Cattle Co." wurde für seine Detailtreue und die authentische Atmosphäre der damaligen Zeit gelobt. Ein subtiles Beispiel dafür ist, als Frank Culpepper (Billy Green Bush) sich an ein Wasserfass lehnt und sein Arm oberhalb des Handgelenks unbedeckt ist – er ist weiß und ungebräunt. Man zog sich in der Öffentlichkeit nur selten aus (es gibt eine komische Szene, in der der Koch sich schämt, mit freiem Oberkörper gesehen zu werden), und die Vorstellung einer gleichmäßigen Bräune wäre absurd, wenn nicht gar unvorstellbar gewesen, da nur Arbeiter gebräunt waren. Cowboys waren am ganzen Körper kreidebleich.Die Titelsequenz kombiniert authentische historische Fotografien mit sepiafarbenen, gestellten Bildern der Darsteller.Die Geschichte ist beinahe brutal, doch muss dies im Kontext der Vergehen Frank Culpeppers und seiner Begleiter gesehen werden. Dazu gehörten Pferde- und Viehdiebstahl, die üblicherweise mit dem Galgen bestraft wurden. Da es keine praktikable Möglichkeit gab, die Diebe vor Gericht zu bringen, war Culpepper berechtigt, sofortige "Gerechtigkeit“ zu üben, so brutal sie auch sein mochte. Culpeppers letzter Akt der Gerechtigkeit besteht darin, den bösen Agrarkapitalisten Thornton Pierce (John McLiam), den archetypischen Schurken unzähliger Western, und seine Bande auszulöschen.Die Datierung der Geschichte auf das Jahr 1866 ist plausibel. In diesem Jahr unternahmen Charles Goodnight und Oliver Loving ihren ersten langen Viehtrieb.Ben Mockridge (Gary Grimes) ist ein junger Mann, stolz auf seine 4-Dollar-Pistole – die er stolz einem Freund (Charles Martin Smith) präsentiert, gegen den er kürzlich ein Wagenrennen veranstaltet hat – und begeistert vom Cowboyleben. Er fragt Frank Culpepper (Billy "Green" Bush), ob er sich dessen Viehtrieb nach Fort Lewis, Colorado, anschließen darf. Culpepper,ein geläuterter Revolverheld, willigt widerwillig ein und schickt Ben zum Koch (Raymond Guth), damit der Grünschnabel dessen „kleine Mary“ wird. Ben verabschiedet sich von seiner Mutter, die ihm sagt, er solle ein braver Junge sein. Ben merkt schnell, dass die Erwachsenen wenig Interesse an Jungen haben. Trotzdem gibt Culpepper Ben Aufgaben, die der Neuling schlecht bewältigt und ihm dadurch ernsthafte Probleme bereitet.Nachdem Viehdiebe die Herde in Panik versetzt haben, verfolgt Culpepper sie bis in eine Schlucht. Als der Anführer der Viehdiebe 50 Cent pro Tier für das Zusammentreiben fordert, töten Culpepper und seine Männer die Viehdiebe. Sie zögern nicht, unbewaffnete Männer niederzuschießen oder jeden, der sich noch bewegt, wiederholt zu beschießen. Vier ihrer Männer verlieren sie.Culpepper schickt Ben zu einer Cantina, die einen Tagesritt entfernt liegt, um Russ Caldwell (Geoffrey Lewis) zu finden. Bevor er sie erreicht, wird Ben von Trappern überfallen, die ihm Pferd und Gewehr abnehmen. Nachdem Ben Caldwell gefunden hat, beschließen er und drei seiner Freunde (Luke Askew, Bo Hopkins, Wayne Sutherlin), sich dem Viehtrieb anzuschließen. Als sie den Trappern begegnen, töten sie diese sofort und nehmen ihre Habseligkeiten an sich. Während Ben Nachtwache hält, lenkt ihn ein einäugiger Mann mit Gerede ab, und Ben schießt nicht auf ihn. Ein weiterer Dieb überwältigt Ben, und die Pferde werden gestohlen. Culpepper ist wütend über Bens Dummheit.Der Pferdediebstahl bringt Culpepper endgültig zur Weißglut, und er beschließt, Ben in eine Postkutsche zu setzen. Als Culpepper in eine Stadt kommt, in der Hoffnung, Pferde zu kaufen, halten sie an einem Saloon, wo Ben einen Gast als den einäugigen Pferdedieb erkennt. Es kommt zu einer weiteren Schießerei, in der Ben sich „rehabilitiert“, indem er den Barkeeper erschießt, der nach seiner Schrotflinte greift. Culpeppers Widersacher sterben, einer der Überlebenden weist Culpepper den Weg zu den Pferden.Ben hantiert ohne Erlaubnis mit Caldwells Waffe, woraufhin der reizbare Caldwell Ben zu Boden stößt. Als ein Rancharbeiter (Matt Clark) Caldwell als Mistkerl beschimpft, fordert dieser ein Duell, um seine „Ehre“ wiederherzustellen. Der Arbeiter hält es für zu wenig, sich mit ihm anzulegen, und verlässt den Viehtrieb. "Du hast mir einen guten Mann gekostet, Junge“, schimpft Culpepper und warnt ihn, sich klein zu machen.In einem grasbewachsenen, feuchten Gebiet lässt Culpepper die Rinder grasen und geht in die Stadt, um den Landbesitzer zu suchen und ihn zu bezahlen. Ben folgt ihnen, um Essen für den Koch zu kaufen, gesellt sich aber in eine Bar zu ihnen, wo sie ihn zu einem Treffen mit einer Prostituierten (Lu Shoemaker) im Hinterzimmer überreden. Sie wippen jedoch nur bekleidet auf dem Bett und lassen die Federn quietschen. Der Landbesitzer Thornton Pierce (John McLiam) wirft Culpepper vor, er hätte vorher fragen sollen, bevor er die Rinder weiden ließ, und verlangt 200 Dollar als Anzahlung für das unbefugte Betreten seines Grundstücks. Diesmal sind Culpepper und seine Begleiter unterlegen und werden wütend gezwungen, ihre Pistolen abzugeben....


Der von Twentieth Century Fox produzierte Film war auch Jerry Bruckheimers erster Film als Coproduzent. Der Slogan lautet damals : „Wie viele Männer muss man töten, bevor man der große amerikanische Cowboy wird?“ und „Der Junge aus dem Sommer '42 wird auf dem Viehtrieb von 1866 zum Mann“, eine Anspielung auf einen ähnlichen Coming-of-Age-Film mit Gary Grimes in der Hauptrolle, der in den folgenden Jahren auch in den Western "Geier kennen kein Erbarmen" mit John Wayne und "Vier Vögel am Galgen" mit Lee Marvin mitspielte. Wie viele andere Spätwestern aus dieser Zeit (Der Verwegene, Der weite Ritt, Dreckiger kleiner Billy, In schlechter Gesellschaft, Monte Walsh, Missouri, ist ein typischer Hyperrealismus in der Inszenierung Bestandteil. 



Bewertung: 8 von 10 Punkten.