Montag, 21. Februar 2022

Convoy (Convoy)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Sam Peckinpah

Highway Outlaw...

1978 verlagerte Sam Peckinpah den Wilden Westen in unsere heutige Zeit. Statt den Cowboys werden die Truckdrivers zu den Helden der Geschichte und das Law and Order Prinzip wird auf den Kopf gestellt, denn die Gesetzeshüter sind sture Paragraphenreiter oder noch schlimmer fiese Rassisten oder gewaltbereite Machtmenschen. "Convoy" wurde ein riesiger Kinoerfolg, der in den USA fast 50 Millionen Dollar einspielte und auch in Deutschland war der Film ein Publikumsliebling und erhielt aufgrund der Zuschauerzahlen über 3 Millionen die Goldene Leinwand. So gesehen ist "Convoy" Peckinpahs kommerziellster Erfolg. Er wurde zu einer Zeit realisiert als das Publikum eine Schwäche für solche Roadmovies hatte. Burt Reynolds feierte seinen größten Kassenerfolg mit Hal Neehams "Smokey and the Bandit" und auch andere sprangen auf diesen Zug auf. Dennoch nimmt "Convoy" eine Art Sonderstellung unter diesen Filmen ein, denn er zeichnet ein sehr pessimistisches Zeitbild. Seine Helden - der Trucker Rubber Duck - gelingt zwar am Ende der anarchistische Befreiungsversuch, doch der individuelle Sieg des Helden darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Zeiten sich geändert haben und Rebellen wie er in unserer Zeit im besten Fall Gefahr laufen kommerziell ausgenutzt zu werden. Die Gewinner sind dann populistische Politiker.
Kris Kristofferson spielt den Fernfahrer Martin Penwald, von seinem Truckerkumpels nur "Rubber Duck" genannt, denn dieses Tier verziert die Motorhaube des Trucks. Ort der Handlung sind die Highways von Arizona, umgeben vom Wüstengebiet. Dort ist die Heimat dieser Trucker und zu Martins besten Kumpels gehören Pig Pen (Burt Young), Spider Mike (Franklyn Ayaye) oder die Schwarze Witwe (Madge Sinclair). Per CB Funk wird die Einsamkeit auf diesen endlos langen Highways durchbrochen, man quatscht miteinander über Gott und die Welt. Die Trucker sind nicht politisch engagiert, sie lieben aber ihren Job und sehr oft stören sie sich an den rigiden Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Straßen. Immer mal wieder sind diese Helden der Landstraße übermütig und liefern sich heiße Wettrennen. Doch dieser "Spaß" wird immer wieder durch die Ordnungshüter unterbrochen, die saftige Geldstrafen bei Übertretungen verordnen. Der unangenehmste seiner Art ist Sheriff Lyle Wallace (Ernest Borgnine), den alle nur "Dirty Lyle" nennen. Eines Tages werden Pig Pen, Rubber Duck und Spider Mike von Dirty Lyle in eine Falle gelockt. Er hat selbst per CB Funk zum Wettrennen aufgerufen und kann nun die Trucker auf frischer Tat mit einem saftigen Bußgeld verwarnen. Doch Dirty Lyle ist dies noch nicht genug - auf einer Raststätte will er Spider wegen Landstreicherei verhaften. Nun schaltet sich Rubber Duck ein und schlägt zu. Eine Schlägerei mit Folgen, denn auf dieses Vergehen könnte eine Haftstrafe von 10 Jahren auf ihn zukommen. So bleibt nur die Flucht...


Und natürlich flüchtet Ali McGraw als Melissa mit ihm. Er hat die junge Frau kurz vorher kennengelernt - natürlich auf der Straße. Er saß im Truck und sie in ihrem flotten Jaguar E-Type. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich dann eine Solidargemeinschaft unter den Truckern und bald macht dieser riesige "Convoy" von sich reden. Dies versucht auch ein windiger Politiker, gespielt von Seymour Cassel, für seine Zwecke auszunutzen. Das Ende des Films ist zuerst dramatisch und traurig, birgt dann aber doch noch eine erlösende Überraschung. Für die total atmosphärischen Bilder von den einsamen Straßen war Kameramann Harry Stradling jr. verantwortlich. Der Film über korrupte Autoritäten und über die letzten Cowboys mutiert ein bisschen zu einer Revolte der kleinen Leute, die sich gegen ein seltsames System auflehnen wollen. Und sei es nur für einen einzigen Augenblick. Unterlegt wurde der Film mit einem sehr guten Country Soundtrack - der gleichnamige Filmsong von C.W. McCall wurde ebenfalls ein Erfolg und landete auf Platz 1 der US-Charts. Auch in Deutschland wurde er zum Chartserfolg.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Frank Patch - Deine Stunden sind gezählt (Death of a Gunfighter)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Alan Smithee (Don Siegel + Robert Totten)

 Abdankung eines Sheriffs...

1969 wurde der Western "Frank Patch" (Originaltitel: Death of a Gunfighter) gedreht und das gleiche Jahr gilt auch als die Geburtsstunde des Regisseurs Alan Smithee (auch Allen Smithee), dieses berühmt-berüchtigte Pseudonym, dass seit dieser Zeit von Regisseuren verwendet wird, wenn sie ihr abgedrehtes Endprodukt ablehnen möchten oder sich davon distanzieren wollen. Zuerst war Robert Totten als Regisseur beauftragt, doch er kam mit dem Hauptdarsteller Richard Widmark nicht zurecht. Er stieg dann während des Drehs aus dem Projekt aus und Don Siegel konnte von Widmark gewonnen werden den halbfertigen Film zu vollenden. Don Siegel selbst wollte deshalb nicht genannt werden, weil "Death of a Gunfighter" für ihn ein Film von Richard Widmark war, der die ganze Zeit die Fäden in der Hand hatte. So entschied man sich für Alan Smithee, denn keiner der daran beteiligten Regisseure war der kreative Kopf des Films.
Trotz dieser ungünstigen Voraussetzungen ist "Frank Patch" ein recht gelungener Western geworden.
Die Geschichte spielt in der Kleinstadt Cottowood Springs, Texas - irgendwann um die Jahrhundertwende und die auf den Straßen fahrenden Automobile deuten schon an, dass die Zeit des Wilden Westens sich zu Ende neigt. Aber immer noch sind die Männer auf Pferden in der Mehrzahl und auch die Bürger der Stadt haben ihre Vergangenheit, verbunden mit der Eroberung des Weiten Landes - sie sind aber daran interessiert, dass die moderne Zeit ihnen zu mehr Macht und Geld verhilft. Herzlich willkommen, moderne Zeit...wobei der Marshall Frank Patch (Richard Widmark) noch zu den Vertretern der alten Zeit gehört. Er wurde von den einflussreichen Städtvätern zum Gesetzeshüter auf Lebenszeit gewählt. Doch langsam ist kein Platz mehr für diese Revolverhelden der alten Schule, für die Stadtväter sitzt beim Marshall der Colt viel zu locker. Als er aus Notwehr den betrunkenen Luke Mills (Jimmy Lydon) erschießen muss, spitzt sich die Lage deutlich zu. Denn ausgerechnet mit dessen Frau (Jaqueline Scott) hat der Marshall ein Techtelmechtel, obwohl er auch mit der Prostituierten Claire Quintano (Lena Horne) eine Beziehung hat. Der junge Dan Joslin (Michael McGreevey) ist einer der wenigen, die voll auf der Seite des Marshalls stehen. Der junge Mann hat aber im Moment ganz andere Probleme, denn er entdeckt Gefühle für die etwa gleichaltrige Hilda (Darleen Carr). Er wird auch Zeuge als die Stadtväter (u.a. Larry Gates, David Opatoshu) dem Marshall das Entlassungsschreiben persönlich überreichen. Wie der Marshall mit Andrew Oxley (Kent Smith), dem Verleger der örtlichen Zeitung,  in diesem Konflikt umgeht, ist äusserst problematisch und es scheint so, dass der Marshall einiges über die ehrenwerten Bürger weiß, was lieber nicht an die Öffentlichkeit kommen soll. Doch der Sohn des Verlegers (Mercer Harris) möchte Klarheit und damit sind die nächsten Konflikte da...

Die Macher schafften es trotz der Querelen einen Western zu machen, der eindeutig noch zu den klassischen Vertretern des Genres gezählt werden muss. Obwohl sicherlich schon ein gewisser Zynismus ala Peckinpah mitschwingt. Dennoch überwiegt das liebevolle Portrait einer Kleinstadt im Wilden Westen am Übergang ins 20. Jahrhundert. Die alte Zeit und damit auch die Männer, die sie präsentiert haben, müssen verschwinden, damit das Neue Fahrt aufnehmen kann. So sollen auch die alten Sünden der Stadtväter ein für alle Mal begraben werden und der Marshall, der sie noch präsent machen kann, soll diese vielen Geheimnisse lieber mit ins Grab nehmen. So haben die Bürger der Stadt irgendwann auch keine Skrupel mehr, den Sheriff aus dem Weg zu schaffen. Als Bezirksmarshall ist John Saxon zu sehen.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 20. Februar 2022

Appaloosa (Appaloosa)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ed Harris

Über Freundschaft und Treue...

Appaloosa, New Mexiko im Jahr 1882: Nur noch wenige Jahre bleibt dem Wilden Westen, um noch wild sein. Die dynamische Entwicklung nach urbanen Lebensstilen ist voll im Gange, tatsächlich blühen die vielen Kleinstädte im Westen auf. Es wird Handel betrieben und die Bürger der Stadt profitieren von diesem kommenden System.
Die Indianer sind dem Niedergang geweiht und auch die Männer zum Pferd, die ohne Heimat die Prärie durchquerten, sind eine bald aussterbende Minderheit.
In dieser Zeit des Übergangs zur Zivilisation, herrschen Spannungsfelder. Um ihre Stadt Appaloosa sicherer zu machen, sind die einflussreichen Bürger der Stadt zur Entscheidung gekommen, dass sie Gesetzeshüter zur Durchsetzung von Recht und Ordnung brauchen.
Vor allem der Rancher Randall Bragg (Jeremy Irons) hat die Stadt mit seiner Macht und seinen Cowboys fest in der Hand. Seine Devise "Auge um Auge" und er schreckt auch nicht davor zurück, die Amtsträger, die zwei seiner Cowboys verhaften wollen, wie "Klapperschlangen abzuknallen". Deshalb werden die langjährigen Freude Virgil Cole (Ed Harris) und Everett Hitch (Viggo Mortensenals Marshall und Deputy verpflichtet die Gesetze durchzusetzen und auch Bragg des Mordes zu überführen.


Beide Männer sind sehr unterschiedlich, Virgil ist ein legendärer famoser Schütze und wirkt charismatisch und durchsetzungsstark, Everett ist gebildet und bleibt selbst in den auswegslosesten Situationen ruhig und besonnen. Eine perfekte Ergängzung und grösstes Vertrauen.
Als die abgebrannte Pianistin Alison French (Renee Zellweger) in die Stadt kommt, denkt auch Virgil plötzlich ans Niederlassen und Sesshaftwerden...
"Appaloosa" ist nach "Pollock" die zweite Regiearbeit des Schauspielers Ed Harris. Auch bei diesem Western verfasste er das Drehbuch mit und war an der Produktion beteiligt.
Er gehört vielleicht zu der Sorte Film, die im Filmjahr 2009 leicht zu übersehen sind, denn Ed Harris geht mit seinem Westernentwurf einen wesentlich bescheideneren und unprätentiösen Weg als andere Western, die in den letzten Jahren entstanden sind, Filme, die meistens als "Erneuerer des Genres" angesehen oder propagiert wurden.
Er hat weder das Tempo und die Action von "Yuma" noch den künstlerischen Anspruch von "Die Ermordung des Jesse James". Auch der epische Abgesang auf den Wilden Westen wie in "Open Range" oder über seine Legenden "Wyatt Earp" fehlt völlig.
Was Harris aber sehr gelang, ist eine überaus gute Genrearbeit, die mit ausserordentlich guten Darstellerleistungen veredelt wird.
Ed Harris und Viggo Mortensen als die Freunde, die eine Begabung fürs Schweigen haben und sich trotzdem - ohne grosse Worte - immer genau verstehen.
Meistens sitzen die beiden wie ein altes Ehepaar wortkarg auf der Veranda des Sheriffbüros und analysieren rational die Situationen.
Dabei wartet der Film mit ein paar seltsamen Marotten und einigen recht überraschenden Wendungen auf.
Auch Renee Zellweger, ansonsten schon auch mal in nervigen Rollen zu sehen, kann hier mit der Darstellung einer untyischen Frauenfigur des Westerns mit Geheimnissen und Leidenschaften, voll überzeugen.
Insgesamt ein gelungener Film, der mehr Aufmerksam verdient und der eher in der Tradition der minimalistischen Budd Boetticher Western-Klassiker angelegt ist, so gesehen ein Film, der vielleicht erst beim 2. Blick seine vielen Vorzüge offenbart...


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sweetwater (Sweet Vengeance)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Logan Miller

Der Sheriff und der Prophet...

Logan Millers "Sweetwater" ist ein sehr skurriler, aber äusserst unterhaltsamer Western, der von dem Schlagabtausch zweier sonderbaren Rivalen lebt. Zum einen ist es der charismatische Prediger und machtvolle religiöse Ver(Führer) Prophet Josiah (Jason Isaacs), der zunehmend Gefahr läuft vom sonderbaren Sheriff Jackson (Ed Harris) als blutiger Mörder entlarvt zu werden. Die Geschichte spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts, irgendwo in New Mexico. Dort in dieser Einöde versucht sich die Exprostituierte Sarah Ramirez (January Jones) gemeinsam mit ihrem mexikanischen Ehemann Miguel (Eduardo Noriega) eine Existenz aufzubauen. Doch das noch junge Glück muss mit harten landwirtschaftlichen Bedinungen auf der eigenen Farm arbeiten, ausserdem lebt in unmittelbarer Nachbarschaft die religiöse kleine Gemeinde des selbsternannten Predigers, der erst vor kurzem zwei Durchreissende, die durch sein Land ritten und dort Wasser getrunken haben, mit seinen Schergen hingerichtet hat. Da die beiden Leichen einflussreiche Verwandte haben, wird der wunderliche Sheriff Jackson auf die Suche nach den Vermissten geschickt. Dieser Gesetzeshüter ist äusserst intelligent und hat sehr schnell herausgefunden, dass der Prediger hinter dem Ganzen steckt und die Leichen der Beiden schon längst irgendwo verscharrt sein müssten. Dementsprechend konfrontativ sind die Begegnungen der beiden Kontrahenten - der Gesetzeshüter demütigt den "Gottesmann" auf ganzer Linie. Als dann der Hund der Ramirez getötet wird und wenig später Miguel verschwindet, ist Sarah auf sich allein gestellt. Bald ist das Niemandsland tiefrot gefärbt mit Blut...

 Jason Isaacs spielt seine charismatische Rolle perfekt borniert, gewalttätig und selbstgerecht. Ein herrlicher Fiesling, der allerdings vom wahnsinnig agierenden Sheriff, dargestellt von einem grandios aufgelegten Ed Harris, noch getoppt wird. Da muss die Hauptfigur, die rächende Frau, ein bisschen auf den Nebenschauplatz ausweichen. Der Western hat eine düstere Atmosphäre und ist eigentlich fast schon knackig kurz zu nennen. Er hat eine gute beklemmende Atmosphäre, die sonderbaren Figuren erinnern öfters an den Spätwestern der 70er Jahre, als etwa ein Marlon Brando im Frauenklamotten ein bezahlter Killer in "Duell am Missouri" war oder ein Donald Pleasance mit wertvollen und erinnerungswürdigen Nebenrollen Genreklassiker wie "Der Verwegene" oder "Wiegenlied vom Todschlag" veredelte. Ich persönlich fand die exzentrische Performance von Ed Harris eine Wucht, beste Szene ist die Zerstörung eines wertvollen Tisches, ganzer Stolz des gastgebenden Priesters des Teufels. 

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Begrabt die Wölfe in der Schlucht (Billy Two Hats)


Regie: Ted Kotcheff

Billy Zwei Hüte...

Der kanadische Regisseur Ted Kotcheff ist vor allem bekannt für den 80er Jahre Welterfolg "Rambo", mit dem Silvester Stallone seinen Ruf als beliebtester Actiondarsteller dieser Dekade untermauern konnte.
Bei der Kritik punktete er vor allem durch seinen 1974 entstandenen "Duddy will hoch hinaus" für den er bei der Berlinale sogar den Goldenen Bären gewinenn konnte.
Sein bester Film ist allerdings der 1973 enstandene, düstere Spätwestern "Begrabt die Wölfe in der Schlucht", der im Original "Billy Two Hats" heisst und den ich sehr liebe, vor allem deshalb, weil es einer der ersten Spätwestern war, die ich als Kind im Kino gesehen habe. Dieser Film ist auch mit ein Grund, warum ich den Spätwestern so sehr mag, die im Gegensatz zu ihren Vorgängern aus den vorigen Dekaden merklich langsamer und melancholischer inszeniert wurden.
Man könnte "Begrabt die Wölfe in der Schlucht" als eine Art Roadmovie des Western ansehen, denn erzählt wird die Geschichte des Umherwanderns im weiten Land, es sind aber bereits langsam das Ende des Wilden Westens angezeigt. Die Büffelherden sind verschwunden, die ehemals stolzen Indianer sind in ihren Reservaten.
Dort an der mexikanischen Grenze, nahe Sonora, übernachten die drei Outlaws, der alternden Schotte Arch Deans (Gregory Peck), das junge Halbblut Billy (Desi Arnaz jr.) und ein weiterer Kumpane, im Saloon eines kleines Nests.
Sie haben eine Bank ausgeraubt, dabei kam ein Kassierer ums Leben. Der Marshall (Jack Warden) ist auf der Jagd nach den drei Banditen und tatsächlich gelingt es ihm herauszufinden, dass sie im Saloon untergekommen sind.
Während es draussen langsam hell wird, gelingt es den Gesetzeshütern einen der Banditen zu erschiessen und den jungen Billy gefangenzunehmen. Lediglich Arch kann fliehen und mit ihm die Beute von 420 Dollar in Gold. Der Junge soll natürlich gehängt werden, der Marshall macht sich auf den Weg, um ihn ins Bezirksgefängnis zu bringen.
Er macht Halt auf der Ranch seines alten Freundes, dem Bärenjäger Copeland (David Huddleston), der dort zusammen mit seiner indianischen Squaw (Dawn Little Sky) ein großes Stück Land mit Wasser erworben hat, dass sich vielleicht auch bald kommzeriell lohnen wird, denn die Eisenbahn soll dort gebaut werden.
Arch kann Billy jedoch befreien, doch Copeland feuert einen gewaltigen Schuß aus seinem Bärentöter ab, dadurch verletzt sich Arch. Gelingt es den beiden Gangstern die Grenze von Mexico zu erreichen ?



"Zwei sind besser als einer, denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Und wenn sie fallen, so hilft der eine seinem Gehilfen auf. Aber wehe dem, der alleine ist, wenn er fällt. So ist kein anderer da, der ihm aufhilft.
Ein einzelner mag überwältigt werden, aber zwei können wieder stehen. "  
Der bibelfeste Arch erklärt so seinem jungen Kumpanen Billy warum er zurückgekommen und nicht mit dem Geld allein abgehauen ist.
Überhaupt ist "Begrabt die Wölfe in der Schlucht" ein schönes Plödoyer für die Gemeinsamkeit und den gemeinsamen Weg, was später im Hauptteil noch viel stärker zum Tragen kommt, als das Farmer Ehepaar Spencer (Sian Barbara Allen/John Pearce) als Figuren dazu kommen.
Der Film ist m.E. als wunderbar fotografierter Spätwestern wie geschaffen für die große Leinwand und kann mit klasse unvergessenen Szenen punkten. Die Sequenz von Copelands Schuß wird der begeisterte Westernfan nicht vergessen, ebenso wenig wie die spannenden Sequenzen mit den vier dubiosen Reservatindianer, gekleidet mti Sonnenschirm, Soldatenunform oder Frauenkleider, denn die haben sicher nichts Gutes vor.
Für mich einer der besten Western der 70er Dekade, der nun endlich dank KSM als deutschsprachige DVD erschienen ist.

Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

 

Samstag, 19. Februar 2022

Wyatt Earp (Wyatt Earp)


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Regie: Lawrence Kasdan

Bekannte Westernlegende...

Nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Filmen, Biographien und Romanen wurde der US-Revolverheld Wyatt Berry Stapp Earp zu einer US-Legende. Die bekannteste Verfilmung ist "Faustrecht der Prärie" aus dem Jahr 1946 von John Ford mit Henry Fonda in der Hauptrolle. John Sturges lieferte 1957 mit "Zwei rechnen ab" eine prächtige Version in Farbe ab. Der Film wurde nicht zuletzt durch die beiden Zugpferde Burt Lancaster und Kirk Douglas (der spielt den Doc Holliday) ein riesiger Kinoerfolg. Auch Jacques Tourneurs Film "Wichita" im Bereich des B-Westerns ist sehr sehenswert. In der 60er Jahren wurden in den Verfilmungen auch die dunkleren Seiten der Legende sichtbar, so auch in John Sturges "Die fünf Geächteten" oder in Frank Perrys "Doc". 1993 drehte George Pan Cosmatos mit Kurt Russell und Val Kilmer "Tombstone". Ein Jahr später nahm sich auch Laurence Kasdan mit "Wyatt Earp" dem Mythos an und Kevin Costner war in der Titelrolle zu sehen - der Film hat eine Laufzeit von 182 Minuten. Dennis Quaid bekam die begehrte Rolle als lungenkranker Doc Holliday und Gene Hackman spielt den Vater von Wyatt. Ausserdem sind Michael Madsen, Isabelle Rosselini, Mark Harmon, Bill Pullman, Tom Sizemore und James Caviezel in weiteren Nebenrollen zu sehen.

An der schauspielerischen Leistung von Costner gibt es nicht zu mäkeln. Er verkörpert den Wyatt Earp mit Stärke, Brutalität, gelegentlicher Sensibilität und innerer Zerissenheit - ein Gefangener seiner eigens geschaffenen Hölle von Gesetz und Ordnung. Wie bei allen Kasdan Filmen ist das ganze Schauspielensembe famos, auch Nebendarsteller haben grosse Momente in dem Film.
Der Film fängt mit vielen Eindrücken aus der Kindheit Earps an, es sind Schlüsselszenen, die begreiflich machen warum der erwachsene Mann so und nicht anders handeln kann.
Die erste Verteidigung gegen Schurken, den Tod seiner ersten Frau, die starke Bande der ganzen Familie Earp, verschiedene berufliche Tätigkeiten, das Straucheln nach dem Verlust der Frau - das alles führt ihn irgendwann zur Ausübung als Marshall.
Dodge City und schlussendlich das legendäre Tombstone - er ist fähig, Gesetz und Ordnung durchzusetzen, nur selten aber der Liebe oder der Gnade fähig.
Die Freundschaft mit Doc Holliday, Wechselbad der Gefühle zwischen Frau und der Geliebten und schliesslich der Krieg mit der Clanton-Bande.
Wilde Schiessereien und persönliche Rückschläge - der Film schafft es immer mehr den Zuschauer für das Geschehen zu fesseln. Viele Szenen markant und kraftvoll mit viel Substanz inszeniert.
Am Schluss eine Hommage an das Thema "Legendenbildung" wie es auch John Ford in seinem Spätwerk Liberty Valance ähnlich dargestellt hat. Die Geschichten, die sich um Legenden und Mythen ranken, werden dem wirklichen Wahrheitsgehalt übergeordnet.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

Ride with the Devil - Wer mit dem Teufel reitet (Ride with the Devil)


Regie: Ang Lee

Freundschaft, bis das der Tod uns scheidet...

Bushwhacker waren Guerillakrieger, die während des Sezessionskrieges in den Grenzstaaten zwischen Norden und Süden in Aktion traten. Diese unabhängig von der regulären Armee organisierten Männer kämpften für die Konföderation.
Da die großen Schlachtfelder der regulären Armeen weit weg von Missouri oder Kansas lag, formierten sich die Freunde der Union in dieser Gegend als sogenannte Jayhawkers, die somit zu den direkten Gegnern der Bushwackers wurden.
Beide Gruppen waren auch keinem militärischen Kommando unterstellt. In teilweise recht großen Banden unternahmen sie gut geplante und organisierte Angriffe, bei denen jeweils die gegnerischen Personen oder deren Sympathisanten Opfer von Hinterhalt und Attentat wurden.
Vereinzelt wurden ganze Städte niedergebrannt.
Aber viel häufiger war der Krieg Nachbar gegen Nachbar.
Im Jahr 1862 treten der junge Aristokrat Jack Bull Chiles (Skeet Ulrich), Sohn eines reichen Plantagenbesitzers und Jack Roedel (Tobey Maguire), Sohn eines deutschen Emmigranten, der sein bester Freund seit Kindertagen ist, den Bushwackers bei.
Für Jack Bull Chiles ist diese Entscheidung auch bestens nachzuvollziehen, denn sein Vater wird von den Jayhawkers bei einem Angriff auf die Plantage kaltblütig ermordet.
Jacks Vater ist eher Sympathisant der Union, wie die meisten deutschen Einwanderer. Aber Jack positioniert sich eindeutig und folgt seinem besten Freund bedingungslos in dem Kampf gegen die Nordstaaten.
Doch Jack muss sich als Aussenseiter in der Bande behaupten, da viele Kumpane Misstrauen gegen den jungen Deutschen hegen.
Vor allem mit dem hitzköpfigen Pitt Mackerson (Jonathan Rys Meyers) liegt er im ständigen Clinch.
Unter der Führung von Black John (James Caviezel) werden mehrere Attentate verübt.
Mit dem Aristokraten George Clyde (Simon Baker) taucht auch ein schwarzer Sklave namens Daniel Holt (Jeffrey Wright) auf, der fortan zur Bande gehört, weil er Clydes bester Freund ist, vom ihm freigekauft wurde und dieser ihm jederzeit sein Leben anvertraut.
Und dieser stille Holt ist natürlich noch viel mehr Misstrauen ausgesetzt als Jack.
Nach anfänglichem Zögern freunden sich die beiden Aussenseiter aber langsam an.
Als der Winter hereinbricht, verstecken sich die Männer in einem Winterquartier in den Wäldern, dort werden sie mit Proviant von der jungen hübsche Kriegswitwe Sue Lee Shelley (Jewel Kilcher) versorgt. Jack verliebt sich in die Frau, die Zuneigung wird erwidert.
Doch das Schicksal schlägt hart zu. Und auch das berüchtigte Massaker von Lawrence steht noch bevor... 


Ang Lee drehte "Ride with the Devil" im Jahr 1999 kurz vor seinem großen Welterfolg "Tiger and Dragon". Dabei gelingt es dem taiwanischen Filmregisseur ein sehr amerikanisches Thema extrem authentisch und glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. Sein Film ist mit ruhiger Hand inszeniert und zeigt das Geschehen aus einer sehr kühlen Distanz. Es gelingt aber trotzdem vortrefflich die einzelnen Charaktere zu skizzieren und man kann nur erahnen, wie elementar die Freundschaft dieser beiden jungen Männer ist, denn einer folgt dem anderen bedingungslos, bleibt lange Zeit somit der Schatten des anderen, aus dem er erst hervortreten kann, als er auch dessen Mädchen geheiratet hat. Als Spiegelbild fungiert ein anderer Mann, der im Lauf der Geschichte auch zu einem Freund wird und dessen Geschichte mit der Geschichte des anderen verwandt sein könnte. Dieser Mann heißt Daniel Holt (Jeffrey Wright), ein dunkelhäutiger Sklave. So gesehen ist "Ride with the Devil" auch ein Film über Freundschaften und über dadurch resultierende Abhängigkeiten. Trotz der ständigen Kriegshandlung ist "Ride with the Devil" ebenso ein stilles, leises Filmjuwel mit guten Charakterzeichnungen und vor allme mit prachtvollen Bildern, die auf das Konto von Frederick Elmes gehen. 

 Bewertung: 9 von 10 Punkten